Case Study: Intranet Governance bei Manor

Für einen neulichen Kunden-Workshop zum Thema �Intranet Governance� habe ich u.a. eine kurze Fallstudie über die Umsetzung dieses Themas bei Manor gemacht.

Besonders erwähnenswert scheint mir dieses Beispiel zu sein, da mit einem Minimum an Aufwand und Kontrolle ein sehr hohes Niveau an Einheitlichkeit, Qualität und Regelkonformität erzielt wird.

Über Manor

Das 1902 gegründete Familienunternehmen mit Hauptsitz in Basel ist die Nr. 1 der Warenhäuser in der Schweiz. Ein paar Zahlen:

  • 72 Warenhäuser
  • 11�200 Mitarbeiter
  • 2.8 Mia CHF Umsatz
Das Intranet

Eine Besonderheit ist sicher die Integration des Intranets in Outlook � so hat der Mitarbeiter praktisch nur 1 Oberfläche für alle seine Informations-bezogenen Tätigkeiten. Weiterhin erfolgt eine grundsätzliche (auch optische) Unterscheidung von Collaborations-Bereich und Intranet-Portal.

Rollenmodell

Es gibt ein 3-stufiges Rollenmodell mit folgenden Instanzen:

Mitarbeiter ↔ SuperUser (Admin) ↔ E-Collaboration (Zentrale)

Die Verantwortung und Aufgaben der Zentrale sind dabei:

  • Fachliche Zuständigkeit für Systeme, Templates, Prozesse, Richtlinien, …
  • Ereignisorientiert: Inhalte für die Homepage freigeben
  • Reaktiv: Gruppen-Mutationen durchführen (Benutzerverwaltung)
  • Regelmässig: Archivierung nicht mehr benötigter Inhalte
Governance für das Intranet-Portal

Die heute 15 Autoren (zukünftig sind 40-50 geplant) stellen die Inhalte ohne jegliche Freigabe-Workflows ein. Nur wenn ein Inhalt auch auf der Startseite veröffentlicht werden soll, erfolgt ein Review durch die Zentrale, die dann auf Richtigkeit und Stil kontrolliert.

Grundlage der Vorgehensweise der Autoren ist das knapp 20-seitige Redaktions-Handbuch, dass Konzept, Philosophie und Funktionsweise des Intranets erläutert und Instruktionen hinsichtlich Gestaltung und Form der Inhalte bereitstellt.

Überschreitungen dieser Richtlinien durch die Autoren hat es praktisch in den ganzen Jahren der Intranetgeschichte bei Manor noch keine gegeben.

Governance für den Collaboration-Bereich

Im auf MS SharePoint basierenden Collaboration-Bereich kann jeder Mitarbeiter Informationen managen. Hierzu stehen 450 feste Teamsites und derzeit 1'500 Workspaces zur Verfügung. Während die Teamsites an die Organisationsstruktur des Unternehmens gekoppelt sind, können Workspaces frei erstellt werden.

Richtlinien für die Mitarbeiter gibt es hier keine (!), sondern lediglich ein eLearning mit Tipps&Tricks. Selbst die sonst häufig anzutreffenden Volumenbeschränkungen für solche Arbeitsrepositories sucht man hier vergeblich.
Für die bereits erwähnten SuperUser gibt es ein �Tipps&Tricks�-Dokument und eine direkte Schulung.

Trotz (oder gerade wegen?!) dieser sehr offenen Herangehensweise herrscht im Collaborations-Bereich kein Chaos, die Datenvolumina bewegen sich in vernünftigen Bahnen und die einzige zentralseitige Einmischung erfolgt durch quartalsweise Erinnerung an die Owner von nicht mehr benutzten Workspaces (bleibt diese Erinnerung dreimal ohne Reaktion, so wird der Workspace gelöscht).

Erfolgsfaktoren

Die Basis für diese erfolgreiche Governance stellen für Laurent Dieterich, den E-Collaboration Manager von Manor folgende Punkte dar:

  • die dezentral organisierten SuperUser sind nahe am Benutzer und dadurch für diese direkt erreichbar (so dass die Mitarbeiter einfach und schnell nachfragen können, bevor sie aus Unwissen etwas Falsches tun)
  • auch die aussergewöhnlich lange Erfahrung im Collaborations-Bereich � bei Manor schon seit >15 Jahren ein alltägliches Arbeitsmittel � trägt durch die damit erreichte Gewöhnung zum Erfolg bei
  • am wichtigsten wird jedoch die hohe Mitarbeiter-Zufriedenheit und die im Unternehmen auf allen Ebenen vorherrschende Dialog-Kultur (�Quer-Kommunikation�) angesehen. So lässt sich viel über die �menschliche Schiene� steuern, ohne dass grosse Policies erforderlich wären. Und das in einem Unternehmen mit über 11'000 Mitarbeitern, in dem nun mal nicht Jeder Jeden kennt!
Fazit

Auch wenn das Beispiel Manor sicherlich nicht 1:1 auf andere Unternehmen übertragen werden kann, so zeigt sich doch einmal mehr der immense Einfluss der Unternehmenskultur auf Erfolg bzw. Misserfolg eines Intranets.

Allen Unternehmen, die ihre Intranet Governance nicht auf einer derart gute kulturelle Basis wie Manor stellen können, sei deshalb ein strukturiertes Vorgehen, wie in meinem Artikel �Intranet Governance – zwischen Wild West und Polizeistaat� auf contentmanager.de skizziert, empfohlen.

Letzte Chance zum kostenlosen Bezug des Global Intranet Reports 2007

Die Deadline für die Teilnahme am "Global Intranet Strategies Survey" wurde bis zum 31. August verlängert. Da nur die Teilnehmer auch Anspruch auf kostenlosen Bezug der Ergebnisse der Studie haben, ist somit nun die letzte Möglichkeit sich diesen noch zu sichern.

Dass sich die Investition der 45+ min für das Ausfüllen des Online-Fragebogens allemal lohnt, zeigen nicht zuletzt einige Vorabergebnisse, die die Initiatorin der Studie, Jane McConnell, in letzter Zeit auf ihrem Blog veröffentlicht hat.

Den Teilnehmern der Intranet.days 2007 ist Jane sicher noch mit ihrer spannenden Keynote-Ansprache in bester Erinnerung, in der sie einige Ergebnisse der letztjährigen Studie, an der 101 Unternehmen aus 5 Kontinenten teilgenommen haben, präsentiert hat.

Alle Infos zur Teilnahme gibt es direkt bei Jane oder auch bei Frank Hamm, alias INJELEA, dem deutschen Network Partner der Studie.

Massnahmen gegen veralteten Content im Intranet

Häufig wechselnde und stets aktuelle Inhalte sind die Lebensader eines Intranets schlechthin. Veralteter Content führt nicht nur zum Rückgang der Nutzungszahlen, sondern auch zu einem generellen Vertrauensverlust der Mitarbeiter in das Intranet. Bei Dutzenden oder sogar Hunderten von dezentralen Autoren wird die Sicherstellung einer hohen Aktualität jedoch zur Herausforderung.
Allheilmittel gibt es in dieser Situation (wie sonst so oft auch) leider keine!

Kleine Massnahmen für mehr Aktualität

Häufig kann die die Motivation der Autoren, sich um ihre Inhalte zu kümmern, jedoch mit kleinen Massnahmen deutlich erhöht werden. Ein Beispiel dafür ist die Plazierung eines optischen Aktualitätsindikators auf jeder Content-Seite, der für dem Benutzer auf den ersten Blick signalisiert, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Inhalt noch aktuell ist.
Das kann z.B. so aussehen:

  • ein lachender Smiley könnte für Inhalte, die in den letzten 3 (oder 6 oder …) Monaten aktualisiert wurden, verwendet werden,
  • länger nicht aktualisierte Inhalte könnten danach automatisch erst einen neutralen Smiley und
  • danach entsprechend einen traurigen Smiley bekommen.

Die jeweiligen Autoren werden bei jedem Statuswechsel (oder einmal im Monat kumuliert) automatisch benachrichtigt und so auf den "Zustand" ihrer Inhalte hingewiesen. Der über die negativen Smileys ausgeübte "sanfte Druck" auf die Autoren sollte – natürlich begleitet von entsprechenden Informationsmaßnahmen – ausreichen, um die Aktualitätsrate erkennbar ansteigen zu lassen.
Die Praxistauglichkeit eines derartigen Ansatzes demonstriert bspw. auch die Fallstudie des Intranets der SimCorp, die Toby Ward neulich im IntranetBlog.com vorgestellt hat.