Monthly Archive for September, 2007

Das Intranet, das nur aus Blogs besteht

Die Contentmanager.days 2007 nahen in grossen Schritten und mit ihnen auch die Intranet Case Study des Bereichs Smart Systems der ARC, die am 10.10. von Julia Petschinka vorgestellt wird.

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf dieses aussergewöhnliche Intranet:

Der Bereich �smart systems� der Austrian Research Centers GmbH (ARC) beschäftigt über 130 MitarbeiterInnen an zwei Standorten in Österreich, die sich mit Innovationen bei intelligenten Echtzeitsystemen (Smart Real-Time Systems) befassen: Komplettlösungen für Systeme mit IT-basierter Intelligenz, die zur Unterstützung des Menschen "mitdenken", binnen Tausendstelsekunden agieren und reagieren, sowie ihm Sicherheit, Komfort, Information und Kommunikation geben.

Trotz der geballten (System-) Intelligenz litten die MitarbeiterInnnen an den typischen Symptomen des modernen Wissensarbeiters: volle Mailboxen und Fileserver, trotzdem das Gefühl, uninformiert zu sein. Eine innovative Lösung musste her.

Das Weblog-Portal

Es bestanden bereits erste positive Erfahrungen mit Weblogs, also beschloss man ein komplett auf Weblogs basierendes Intranet zu realisieren.
Es wurden einige themenbezogene Weblogs (zu Projekten, Mitarbeitern, Seminaren oder Infrastrukturthemen) angelegt, zusätzlich bekam jede/r MitarbeiterIn die Möglichkeit eigene Blogs anzulegen.

Die Liste der Herausforderungen bei der Einführung dieses �Intranet 2.0� liest sich gar nicht so viel anders, als die eines herkömmlichen Intranets:

  • Vertrauen der MitarbeiterInnen gewinnen, so dass sie sich aktiv am/im Intranet beteiligen und nicht nur passive Benutzer sind
  • Vertrauen und Unterstützung der Geschäftsführung für ein offenes, gleichberechtigtes Miteinander im Intranet erreichen
  • Kreieren einer (potentiell aus allen MitarbeiterInnnen bestehenden) Redaktion um möglichst viele gute und relevante Inhalte im Intranet zu generieren

Julia Petschinka wird in Ihrem Referat auf den Contentmanager.days u.a. darüber berichten, warum der Bereich Smart Systems der ARC ein ausschliesslich Blog-basiertes Intranet eingeführt hat, welches Rollenmodell geplant war (und wie es nun tatsächlich ist), welche Themen-Blogs ursprünglich geplant waren (und welche nun tatsächlich existieren) und wird viele weitere Einblicke in dieses innovative Intranet geben.

Link: Programm der Contentmanager.days (Leipzig, 09.-10.10.2007)

Die Information: dein Freund und Helfer

Im Vorfeld des Referates �POLIZEI-ONLINE - mit ECM zum Wissensarbeitsplatz der Zukunft" auf den Contentmanager.days 2007 in Leipzig (09.-10.10.) habe ich Achim Staudenmaier vom Polizeipräsidium Stuttgart in einem kurzen Interview ein paar Fragen zu den Inhalten des Vortrags gestellt:

Welche besonderen Erfolge, Leistungen und Lösungen werden in Ihrem Referat dargestellt?

Das Wissensmanagementsystem der Polizei in Baden-Württemberg, genannt "POLIZEI-ONLINE", ermöglicht ein erfolgreiches Content Management, in dem Inhalte in einem zentralen Portal stringent zusammengeführt und strukturiert angeboten werden. Bislang nur bei einzelnen Dienststellen vorgehaltene Inhalte können nun landesweit recherchiert werden. Redundanzen entfallen, so dass die dadurch freiwerdenden redaktionellen Kapazitäten für die Aufbereitung weiterer Themenkomplexe genutzt werden können.

Um das zu erreichen wurden die vorhandenen Systeme auf eine einheitliche technische Plattform überführt, was auch zur Vereinfachungen bspw. in den Bereichen Such- und Findemechanismen oder Rollen und Rechte geführt hat.
Auf Basis dieser Plattform sind nun eine Vielzahl von Anwendungen möglich: von der Unterstützung innerorganisatorischer Vorgänge, über die Einbindung von externen Produkten bis hin zur mobilen Nutzung von Fachanwendungen und der Optimierung der Fortbildung.

Welchen Umständen schreiben Sie diese Erfolge zu?

Nach dem Grundsatz �Aus der Praxis für die Praxis� erfolgt die Produktion und Pflege der Inhalte durch landeweite, selbstorganisierte Fachredaktionen.
Durch die Kollaboration von Experten untereinander und die Zusammenarbeit in Projektgruppen werden die Kommunikationswege beschleunigt und flexibilisiert und das Zusammenwirken über regionale und hierarchische Grenzen hinweg wird zur Selbstverständlichkeit.
Somit können Anregungen und Anforderungen der Praxisvertreter unmittelbar berücksichtigt und in der laufenden Entwicklung umgesetzt werden.

Was waren die grössten Herausforderungen auf dem Weg dorthin?

Neben dem Aufbau der landesweiten redaktionellen Strukturen zur Pflege der Inhalte, kam der Schaffung der Akzeptanz bei allen Bediensteten durch Darstellung der Vorteile für jeden individuell, wie auch für die Organisation und deren Entwicklung durch POLIZEI-ONLINE eine entscheidende Bedeutung zu.
Auch die Migration von SPS 2003 auf MOSS 2007, der Aufbau eines für den Anwender intuitiv zu bedienenden Systems mit einer Vielzahl von unterstützenden Funktionalitäten (z.B. personalisierte Suche) und die Schaffung einer technischen Lösung für die Einmalerfassung von Intra- und Internetinhalten stellten weitere Herausforderungen im Projekt dar.

Nachdem Uwe Seidel, Polizeioberrat und Referent im Innenministerium des Landes Baden-Württemberg, bereits 2006 mit einem mir in guter Erinnerung gebliebenen Vortrag zum Thema �Lernen - Entscheiden - Handeln: Wissensmanagement bei der Polizei Baden-Württemberg� die Entwicklung von POLIZEI-ONLINE aufgezeigt hat, bin ich gespannt, wie die seitdem erzielten Fortschritte im Detail aussehen.

Das Referat findet am 10.10.2007 um 12:00h statt (nicht am 09.10., wie ursprünglich vorgesehen).

Link: Programm vom 2. Tag der CM.days

Mein Wiki, das Portal

Manchmal braucht es einen kleinen Auslöser, damit man einer Entwicklung, die sich eigentlich offensichtlich vor den eigenen Augen vollzieht, auch wirklich gewahr wird.

Bei mir waren es gestern gleich zwei solche Auslöser, die dazu geführt haben, dass ich Wikis (erneut) mit anderen Augen sehe:

In beiden wurde eine Reihe von Portal-Ansätzen auf Basis von Wikis gezeigt (bei ersterem unter dem Begriff "Plug-in", bei zweitem als "Wiki-Portlets"). Obwohl ich vermute, dass beide vom technischen Reifegrad und der Fähigkeit zur universellen Integration bspw. von bestehenden Applikationen noch nicht vergleichbar mit "gestandenen Portallösungen" sind, kam mir doch der Gedanke: "Das Wiki ist das neue Mitarbeiterportal!".

Das wirft die Frage auf - mal stark abstrahiert und vereinfacht betrachtet - ob (oder wie lange noch) ein Unternehmen, dass sein Intranet langfristig auf Web 2.0-Ansätze ausrichten möchte, als Kernsystem noch auf ein CMS oder (herkömmliches) Portalsystem setzen sollte oder ob gleich ein Enterprise Wiki mit aufkeimendem Portal-Potential als Kernsystem in Betracht gezogen werden sollte?

Wie gesagt: abstrahiert und vereinfacht! Es kommen einem sehr schnell viele "Ja, aber…" in den Sinn.

CMS wird Wiki wird Portal?!

Lässt man den Blick aber ein paar Jahre in die Zukunft schweifen, dann wird eine Konvergenz der heute noch (halbwegs) abgegrenzten "Systemwelten" wahrscheinlich:

  • Content Management Systeme bieten zunehmend Funktionen wie Blogs, Wikis, Tagging und RSS-Feeds an (was nicht immer nur positiv gesehen wird, vgl. What does a Web CMS do? von James Roberston) und entwickeln sich auch stärker zu Portalen bzw. ermöglichen eine vereinfachte Integration mit diesen.
  • Wikis werden mit zunehmender Verbreitung auch andere "Publikationsvorgänge" integrieren (in erster Linie Blogging, wie heute bereits bei manchen Wiki-Systemen verfügbar, dann aber auch "klassische" CMS-Prozesse) und eben Portalfunktionalitäten. Für welche weitreichenden Zwecke Wikis heute bereits eingesetzt werden, lässt ein Blick auf Wiki Fallstudien erahnen. Und das dürfte wirklich erst der Anfang sein…
  • Die Portallösungen tun sich mit der Integration von Blog-Portlets, Wiki-Portlets etc. naturgemäss nicht schwer (ob diese Lösungen dann immer optimal sind, sei mal dahin gestellt, aber auch dort dürfte das nur der erste Schritt sein…).

Welche "Systemwelt" in diesem Rennen um neue, alte Marktanteile die Nase vorne haben wird, ist heute wahrscheinlich noch nicht zu beantworten (vor dem Hintergrund der Investitionssicherheit aber durchaus von Relevanz). Neben technologischen Ansätzen und Altlasten dürften dabei aber Faktoren wie Durchgängigkeit des Gesamtkonzepts, Usability und Flexibilität entscheidende Aspekte für die Intranet Plattform der Zukunft sein.

Diskutieren Sie mit!

Am 9.10. findet auf den Contentmanager.days in Leipzig eine Diskussion zu diesem Thema statt: CMS vs. Blog- und Wiki-System - eine Ergänzung oder ein unterschiedlicher Ansatz?. Dort wird Björn Negelmann von der [n:sight] market & technology research mit Herstellern, Beratern und Anwendern dieses spannende Thema diskutieren.

Gerne nehme ich Ihre Kommentare und Fragen zur Einspeisung in diese Diskussion mit auf.

Telefonbuch hui, Wiki pfui…?!

Intranet Studien bringen manchmal - zumindest auf den ersten Blick - erstaunliches zu Tage: in der Umfrage "Intranets: what staff really want" von Gerry McGovern antworteten 242 Teilnehmer weltweit wie folgt auf die Frage nach den wichtigsten Aufgaben eines Intranets:

- Mitarbeiter finden (Telefonbuch, …)
- Regelungen und Prozessbeschreibungen
- Formulare finden

Diese Top 3 vereinigen insgesamt 33% aller Nennungen auf sich. Dabei sind das eigentlich recht "langweilige" Dinge, von denen man vermuten könnte, dass sie in den Unternehmen längst so selbstverständlich geworden seien, dass man sie als gegeben und damit nicht mehr direkt als wichtig ansieht (so wie niemand das Vorhandensein von elektrischem Strom als wichtige Eigenschaft eines guten Büroarbeitsplatzes nennen würde, da dies als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird).

Ziemlich am anderen Ende der Nennungen finden sich dann die Dinge, über die heute so viel geredet wird, also die Web 2.0- bzw. Intranet 2.0-Anwendungen:

- RSS feeds
- Wikis
- Blogs

Diese drei kommen zusammen genommen gerade mal auf ca. 1% aller Nennungen, scheinen also nicht weiter erwähnenswert zu sein.

Kann man das komplette Intranet 2.0-Phänomen also getrost vergessen?

Hier muss man genauer hinschauen:

  • Die vorrangige Nennung von Dingen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, zeigt erneut, dass es um viele Intranets nach wie vor schlecht bestellt steht. Hier müssen ganz klar erst die Hausaufgaben gemacht werden. Doch auch hier bieten Web 2.0-Ansätze Chancen, wie selbst diese Basis-Anforderungen besser realisiert werden können. Beim Telefonbuch ist es z.B. i.d.R. nicht damit getan, nur die Kontaktdaten aus dem SAP-System (o.ä.) bereitzustellen. Man sucht jemand, der sich mit Thema XY auskennt. Für solche, weitergehenden Anforderungen (die den eigentlichen Mehrwert darstellen), bietet Web 2.0 viele gute Ansätze (mit höherer Aussicht auf Akzeptanz als bei den meisten vor einigen Jahren verfolgten "Yellow Pages"-Ansätzen).
    Aber auch Regelungen und Prozessbeschreibungen lassen sich mit 2.0-Tools u.U. einfacher bereitstellen und sich somit wiederum die Akzeptanz bei den entsprechenden Content-Verantwortlichen erhöhen (deren Dokumente im Intranet bisher manchmal auch einfach deshalb veraltet waren, weil sie mit dem umständlichen CMS nicht zurecht gekommen sind).
  • Jeder Teilnehmer der Studie konnte nur die 5 für ihn wichtigsten Aufgaben aus einer Liste mit 58 Einträgen wählen. Somit bedeutet eine Nicht-Nennung letztlich nur, dass es sich dabei nicht um einer der Top 5-Anforderungen handelt. Die meisten erfolgreichen Intranets leben jedoch nicht nur von einer Handvoll, sondern einer Vielzahl von Anwendungen und Möglichkeiten. Wie James Robertson in seinem jüngsten CM-Briefing "Why staff visit the Intranet" so schön schreibt: "If you want the intranet to be used, make it more useful." - und zwar indem der User dort möglichst viele der spezifisch benötigten Informationen findet und möglichst viele seiner Aufgaben direkt dort erledigen kann.
    Die Studie stellte die Teilnehmer also vor die Entscheidung "entweder/oder", während im wirklichen Leben (zumindest auf längere) Sicht eher die Frage "was zuerst, was danach" von Relevanz ist.
  • Während Web 2.0 bei weitem kein Wunderheilmittel zur Lösung aller Intranet-Probleme darstellt, gibt es doch eine Reihe von Problembereichen, auf die man in heutigen "Intranets 1.0" regelmässig stösst und die durch einen vorausschauenden Intranet 2.0-Ansatz optimiert werden können. Einweg-Kommunikation und Insellösungen (in denen das Intranet einfach ein weiteres Content-Silo darstellt) sind gute Beispiele hierfür.
Abgucken erlaubt!

Wie Web 2.0 und Social Computing erfolgreich auch ins Intranet eines Unternehmens Einzug halten können, wird auf den Contentmanager.days 2007 (09.-10.10.2007 , Leipzig) anhand von Best Practise Case Studies präsentiert. Hier seien insbesondere folgende Vorträge und Unternehmen genannt:

  • Wissenmanagement mit Web 2.0 im IBM Intranet (Dr. Peter Schütt, IBM Deutschland GmbH)
  • Microsoft SharePoint 2.0 � Intranetportal der Zukunft? (Markus Ilka, Klambt Verlag)
  • Unternehmenskultur 2.0 - Auswirkungen von Wikis und Web 2.0 Techniken am Beispiel der SYNAXON AG (Frank Roebers, SYNAXON AG)
  • Wer vorab schon auf den Geschmack kommen will, dem empfehle ich die Lektüre des brandeins-Artikels über Synaxon mit dem Titel "Die gläsenere Firma".

Äpfel und Birnen bei Web Analytics

Repeat Visitors, external Referrer, Click-through, Bounce Rate - Begriffe gibt es in der Welt der Web Analytics (Web Statistik) mehr als genug. Damit diese auch einheitlich verwendet werden können und alle das Gleiche darunter verstehen, hat die Web Analytics Association nun die "Web Analytics Definitions" in der Version 4.0 verabschiedet.

Darin werden insgesamt 26 Begriffe aus folgenden Bereichen erläutert:

  • Building Block Terms
  • Visit Characterization
  • Content Characterization
  • Conversion Metrics

Link: Web Analytics Definitions (PDF, 201 KB)

Obwohl primär für die Anwendung auf Internet-Sites ausgelegt, sind die meisten der hier definierten Begriffe auch als Leistungsindikatoren für das Intranet geeignet.
Für eine aussagekräftige Beurteilung des Erfolgs der Intranet-Aktivitäten sind neben diesen Basiszahlen natürlich eine Reihe weiterer Messwerte erforderlich, bspw. aus den Bereichen:

  • Kosten
  • Autoren
  • Content
  • Prozesse
  • Suche-Verwendung
  • Infrastruktur<

Leistungsmesssung, Key Performance Indicators (KPI) und deren Zusammenhang mit der Intranet-Strategie und den Intranet-Zielen sind übrigens auch Themen, die in der Seminarreihe "Intranet Organisation" (5x in Deutschland im Herbst) und dem Seminar "Intranet Organisation und Projektmanagement" (vom 20.-21.11. in Zürich) ausführlich behandelt werden.