Monthly Archive for October, 2007

Intranet-Trends 2008 � Wo geht die Reise hin?

Unter diesem Titel hat die add-all AG die Resultate ihrer diesjährigen Intranet-Studie veröffentlicht. 241 Unternehmen, mehr als die Hälfte davon mit über 1'000 Mirarbeitern, haben daran teilgenommen.

Ein paar ausgewählte Ergebnisse daraus:

  • Bei immerhin 9% der befragten Unternehmen ist das Intranet inzwischen so geschäftskritisch geworden, dass bei dessen Ausfall die Mitarbeiter nicht mehr arbeiten können. Bei der grossen Mehrheit (82%) wird dann die Informationsbeschaffung deutlich erschwert. Auch soll die Relevanz des Intranets bei 85% der Unternehmen weiter steigen. Gute Voraussetzungen also, damit auch entsprechende Projekte zur Optimierung angegangen werden - unausgeschöpftes Nutzenpotential gibt es noch genug!
  • Nur 10% der Unternehmen sind mit ihrer Intranet-Suche so zufrieden, dass sie keine Optimierung planen. Den 58%, die eine konkrete Verbesserung planen, kann ich das Seminar "Informationsarchitektur und Suche" empfehlen, da gerade das Thema Suche oft aus einem rein technischen Blickwinkel angegangen wird ("wir brauchen nur Suchmaschine XY zu kaufen, dann sind unser Probleme gelöst"). Das führt nur selten zum Erfolg, denn Enterprise Search ist keine "Black Box" (kaufen, einstecken, zurücklehnen…), auch wenn public Google diesen Anschein offensichtlich bei vielen Leuten erweckt (dazu erzähle ich übrigens auf der IA-Konferenz unter dem Titel "Warum Enterprise Search nicht «Google für intern» ist" etwas).
  • Die Erweiterung des Intranet durch zusätzliche Applikationen ist bei 52% der Unternehmen geplant. Die Liste der existierenden und geplanten Applikationen geht noch weit über die Beispiele hinaus, die ich auf dem Intranetbrunch im Februar in Frankfurt genannt habe ("Applikationen als Instrument zur Erhöhung der geschäftlichen Relevanz des Intranets�). Diese Aufzählung zeigt aber auch, dass das Verständnis darüber, was eine Intranet-Applikation ist, sehr breit ist (vom Glossar über RSS-Feeds bis hin zum Dokumenten Management).
  • Dauerthema Personalisierung: während 34% heute schon eine Personalisierung haben, planen 26% deren Realisierung. Ein Blick auf den Auszug der realisierten Personalisierungsfunktionen ist aber eher ernüchternd: wirklich innovative Arten der Informationsbereistellung oder Inhaltsverknüpfung, wie sie bspw. Dr. Peter Schütt von der IBM auf den Contentmanager.days demonstriert hat, sucht man selbst bei den geplanten Funktionen vergeblich (im verlinkten Blogpost kommt dieser Aspekt aber leider auch zu kurz, da er nicht auf das "blu pages" genannte Mitarbeiterverzeichnis eingeht, in dem diese Art der Personalisierung sehr gut umgesetzt wurde…).
  • Wikis sind der grosse Renner bei den geplanten Web 2.0-Ansätzen. Erst 16% haben "2.0" im Einsatz, 43% planen die Nutzung und immerhin 36% sind der Meinung, dass das nichts für ihr Intranet ist. Ein für meinen Geschmack erstaunlich hoher Anteil, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Web 2.0 sich ja in einer Vielzahl von "Formen und Ausbaustufen" anwenden lässt und höchstwahrscheinlich in all diesen Unternehmen Bedürfnisse vorhanden sind, die den Einsatz der einen oder anderen Möglichkeit sehr sinnvoll erscheinen lassen würden. Wahrscheinlich bestättigt sich hier erneut der hohe Aufklärungsbedarf in diesem Bereich. Genau da setzt z.B. das Intranet 2.0 FORUM an und wird versuchen diese Know-how- und Erfahrungsdefizite zu kompensieren.
  • Wenig rosig scheint die Zukunft des mobilen Intranets auszusehen: 63% haben dies nicht in der Planung. Verschläft das Intranet hier einen Mega-Trend? Wenn Intranets (insbesondere solche, die Funktionen wie Blogs und Wikis sinnvoll integriert haben) auch zu Instrumenten der Beherrschung der Informationsflut durch Email-Reduktion werden wollen, kommen sie um den mobilen Zugriff (der für Emails bereits weitest gehend selbstverständlich geworden ist) nicht mehr herum. Als gute Beispiele fallen mir hier Nokia und UNIQLO ein (vgl. meine Intranet Case Studies).
  • Auch der Spass hat im Intranet offenbar wenig Platz: 58% planen keinen Einsatz von Elementen wie E-Cards, Spielen, Aktionen, etc. Dagegen genannte Argumente sind bspw.: "ROI nicht nachweisbar" oder "die Leute sollen eigentlich arbeiten". Mein Argument dafür wäre: wie viel Akzeptanz kann man für ein Intranet erwarten, dass keinen Spass macht?

Die vollständigen Studienergebnisse können kostenlos über den Intranetberater.de bei der add-all AG bezogen werden. Das interessante 31-seitige PDF enthält u.a. auch Aussagen zu Knowledge Management, Werbung im Intranet, Multimedia-Elementen, Barrierefreiheit und der zunehmenden "Portalisierung" von Intranets.

2 Tage in 2 Minuten: Review der Intranet-Vorträge der CM-Days

Ich gebe zu, ich bin etwas spät dran, dennoch möchte ich das, was mir persönlich von den Intranet-Referaten auf den Contentmanager.days 2007 letzte Woche in Leipzig lebhaft in Erinnerung geblieben ist, hier in aller Kürze wiedergeben:

  • Synaxon: Initiert durch den Vorstandsvorsitzenden war das Phänomen Wiki der Auslöser und Katalysator zu einem kompletten Wandel des Unternehmens (neudeutsch: von Enterprise 1.0 zu Enterprise 2.0).
  • DAK: Wichtigkeit des schrittweisen Vorgehens: erst die Basis und Akzeptanz schaffen, dann Erweitern, schliesslich weitere (auch grosse) Schritte.
  • IBM: Corporate Social Networking in der Praxis: die manuelle Pflege der Inhalte der "Yellow Pages" hat auch bei IBM nicht funktioniert, deshalb werden diese nun automatisch anhand aller verfügbaren "Aktionen" der Mitarbeiter gespeist: Blog-Einträge, Social Bookmarks, etc. So ergibt sich ein gutes Bild, mit was sich ein Mitarbeiter aktuell befasst.
  • Klambt Verlag: alltägliche Arbeitsabläufe als Killer-Applikationen im Intranet anbieten. So etwas freut einen natürlich: predige ich doch gerne, sich bereits im Strategie-Prozess Gedanken über Killer-Apps zu machen… ;-)
  • Steinbeis: systemübergreifende Integration, um den "One-Stop Shop" Realität werden zu lassen
  • The Otherland Group: Der interne Einsatz virtueller Welten (à la "Second Life") stellt die zweitbeste Möglichkeit der Zusammenarbeit mehrerer Personen dar (also immer, wenn "face-to-face" aufgrund räumlicher Distanzen nicht sinnvoll oder nicht möglich ist) und wird in Zukunft eine ganz normale Art der Collaboration werden.
  • ArcelorMittal: in kürzester Zeit von 'Communication 1.0' zu 'Communication 2.0' mittels offener, unzensierter Merger-Kommunikation via www.arcelormittal.tv. Vor dem Hintergrund, dass das ein Projekt war und 320'000 Mitarbeiter im Spiel sind, blieb mir die Frage: kann man damit (also dieser Art zu kommunizieren) wieder aufhören, wenn man einmall damit angefangen hat?
  • Beiersdorff: Schaffung einer wiederverwendbaren Informationsarchitektur um eine konzernweite Standardisierung in diesem Bereich zu ermöglichen.
  • Austrian Research Center: Probieren, beobachten, lernen, Shortcomings offen zugeben und auch die Moderation eines nur aus Blogs bestehenden Intranets nicht unterschätzen.
  • DB Dialog: ein Spezial-Intranet (hier für den dedizierten Einsatz im Call Center) hat andere Anforderungen als ein generelles Intranet.
  • Polizei-Online: sowohl publikationsgesteuerter Content als auch User-generated Content haben ihren Platz und bilden bei entsprechender Förderung eine wunderbare Symbiose.

All diesen "Success Stories" gemeinsam ist, dass die Verantwortlichen jeweils wussten, wo sie mit dem Intranet hin wollen, also eine klare Intranet-Strategie verfolgen und sich dabei ihrer Individualität bewusst sind, die sich aus den Bedürfnissen der Mitarbeiter und des Unternehmens ergeben.

Ausführliche (und zugleich gute!) Berichte zu diesen Vorträgen und den Referaten der Plenumsveranstaltungen finden sich bei Frank Hamm im INJELEA-Blog: Contentmanager.days 2007 Review

Live von den Contentmanager.days 2007

Die 7. Contentmanager.days haben begonnen - wer nicht selber vor Ort in Leipzig dabei sein kann, hat dank zweier Live-Blogger die Möglichkeit direkt mitzuverfolgen, welche neuen Trends und Best Practises im Content Management existieren: