Daily Archive for October 22nd, 2007

Intranet-Trends 2008 � Wo geht die Reise hin?

Unter diesem Titel hat die add-all AG die Resultate ihrer diesjährigen Intranet-Studie veröffentlicht. 241 Unternehmen, mehr als die Hälfte davon mit über 1'000 Mirarbeitern, haben daran teilgenommen.

Ein paar ausgewählte Ergebnisse daraus:

  • Bei immerhin 9% der befragten Unternehmen ist das Intranet inzwischen so geschäftskritisch geworden, dass bei dessen Ausfall die Mitarbeiter nicht mehr arbeiten können. Bei der grossen Mehrheit (82%) wird dann die Informationsbeschaffung deutlich erschwert. Auch soll die Relevanz des Intranets bei 85% der Unternehmen weiter steigen. Gute Voraussetzungen also, damit auch entsprechende Projekte zur Optimierung angegangen werden - unausgeschöpftes Nutzenpotential gibt es noch genug!
  • Nur 10% der Unternehmen sind mit ihrer Intranet-Suche so zufrieden, dass sie keine Optimierung planen. Den 58%, die eine konkrete Verbesserung planen, kann ich das Seminar "Informationsarchitektur und Suche" empfehlen, da gerade das Thema Suche oft aus einem rein technischen Blickwinkel angegangen wird ("wir brauchen nur Suchmaschine XY zu kaufen, dann sind unser Probleme gelöst"). Das führt nur selten zum Erfolg, denn Enterprise Search ist keine "Black Box" (kaufen, einstecken, zurücklehnen…), auch wenn public Google diesen Anschein offensichtlich bei vielen Leuten erweckt (dazu erzähle ich übrigens auf der IA-Konferenz unter dem Titel "Warum Enterprise Search nicht «Google für intern» ist" etwas).
  • Die Erweiterung des Intranet durch zusätzliche Applikationen ist bei 52% der Unternehmen geplant. Die Liste der existierenden und geplanten Applikationen geht noch weit über die Beispiele hinaus, die ich auf dem Intranetbrunch im Februar in Frankfurt genannt habe ("Applikationen als Instrument zur Erhöhung der geschäftlichen Relevanz des Intranets�). Diese Aufzählung zeigt aber auch, dass das Verständnis darüber, was eine Intranet-Applikation ist, sehr breit ist (vom Glossar über RSS-Feeds bis hin zum Dokumenten Management).
  • Dauerthema Personalisierung: während 34% heute schon eine Personalisierung haben, planen 26% deren Realisierung. Ein Blick auf den Auszug der realisierten Personalisierungsfunktionen ist aber eher ernüchternd: wirklich innovative Arten der Informationsbereistellung oder Inhaltsverknüpfung, wie sie bspw. Dr. Peter Schütt von der IBM auf den Contentmanager.days demonstriert hat, sucht man selbst bei den geplanten Funktionen vergeblich (im verlinkten Blogpost kommt dieser Aspekt aber leider auch zu kurz, da er nicht auf das "blu pages" genannte Mitarbeiterverzeichnis eingeht, in dem diese Art der Personalisierung sehr gut umgesetzt wurde…).
  • Wikis sind der grosse Renner bei den geplanten Web 2.0-Ansätzen. Erst 16% haben "2.0" im Einsatz, 43% planen die Nutzung und immerhin 36% sind der Meinung, dass das nichts für ihr Intranet ist. Ein für meinen Geschmack erstaunlich hoher Anteil, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Web 2.0 sich ja in einer Vielzahl von "Formen und Ausbaustufen" anwenden lässt und höchstwahrscheinlich in all diesen Unternehmen Bedürfnisse vorhanden sind, die den Einsatz der einen oder anderen Möglichkeit sehr sinnvoll erscheinen lassen würden. Wahrscheinlich bestättigt sich hier erneut der hohe Aufklärungsbedarf in diesem Bereich. Genau da setzt z.B. das Intranet 2.0 FORUM an und wird versuchen diese Know-how- und Erfahrungsdefizite zu kompensieren.
  • Wenig rosig scheint die Zukunft des mobilen Intranets auszusehen: 63% haben dies nicht in der Planung. Verschläft das Intranet hier einen Mega-Trend? Wenn Intranets (insbesondere solche, die Funktionen wie Blogs und Wikis sinnvoll integriert haben) auch zu Instrumenten der Beherrschung der Informationsflut durch Email-Reduktion werden wollen, kommen sie um den mobilen Zugriff (der für Emails bereits weitest gehend selbstverständlich geworden ist) nicht mehr herum. Als gute Beispiele fallen mir hier Nokia und UNIQLO ein (vgl. meine Intranet Case Studies).
  • Auch der Spass hat im Intranet offenbar wenig Platz: 58% planen keinen Einsatz von Elementen wie E-Cards, Spielen, Aktionen, etc. Dagegen genannte Argumente sind bspw.: "ROI nicht nachweisbar" oder "die Leute sollen eigentlich arbeiten". Mein Argument dafür wäre: wie viel Akzeptanz kann man für ein Intranet erwarten, dass keinen Spass macht?

Die vollständigen Studienergebnisse können kostenlos über den Intranetberater.de bei der add-all AG bezogen werden. Das interessante 31-seitige PDF enthält u.a. auch Aussagen zu Knowledge Management, Werbung im Intranet, Multimedia-Elementen, Barrierefreiheit und der zunehmenden "Portalisierung" von Intranets.