Keine Diskussionen mehr um die Qualität von Content

Nach Stephan Russ-Mohl gilt für die Beurteilung von Content-Qualität folgendes: “Qualität im Journalismus definieren zu wollen, gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln” (Danke an Saim Alkan, der nicht müde wird, diesen Spruch zu rezitieren).

Dementsprechend kann die Diskussion über Qualität und Nicht-Qualität von konkreten Inhalten schnell emotional und ineffektiv werden.
Abhilfe sollen entsprechende Indizes schaffen, die (zumindest) die Lesbarkeit objektiv bewertbar machen wollen. Für die englische Sprache sei hier der Flesch Reading Ease Readability Score genannt (der sogar in in MS Word errechnet werden kann). Für Deutsch scheint es noch keinen Pendant zu geben, aber aexea arbeitet am Web-Lesbarkeitsindex (WLI).

Ob mit derartigen Tools dann alle Diskussionen um Content-Qualität ad acta gelegt werden können, scheint eher ungewiss, aber allein schon die Möglichkeit einer relativ objektiven Grobeinstufung in guten und schlechten Content, die zur Selbstkontrolle der Autoren sowie zum automatischen Aufspüren von überprüfungswürdigen Inhalten dient, dürfte für viele Intranets (und Websites) ein wichtiger Schritt nach vorne sein.

Der Pudding dürfte aber nach wie vor (früher oder später) wieder von der Wand fallen, sonst wären wir wohl auch beim “Neusprech” von George Orwell’s Klassiker 1984 gelandet.

p.s.: einen netten (gleichwohl etwas langatmigen) Versuch mit echtem Pudding und Nägeln gibt es bei YouTube im Video: Pudding an die Wand nageln.

Präsentieren Sie ihr Intranet mal wieder!

Marketing in eigner Sache sollte für ein Intranet selbstverständlich sein. Und das nicht nur bei Redesigns oder sonstigen grossen Änderung, sondern laufend, regelmässig und über verschiedene Kanäle.

Management Meetings sind ein solcher (und wichtiger) Kanal. Aber: wie präsentiert man hier das Intranet? PowerPoint? Wahrscheinlich gab es schon 5 Folienschlachten vor Ihrem Redeslot und wird noch 3 weitere danach geben – also geringe Aufmerksamkeit. Live-Demo? Prinzipiell gut, aber die Gefahr sich in Detaildiskussionen zu verlieren ist hoch (“wieso kann da links oben nicht etwas mehr Abstand zwischen unserem Logo und der Menüleiste sein?”, “die Farbe kommt auf meinem Monitor aber ganz anders raus?” etc.).

Eine echte Alternative bietet eine Posterpräsentation, bei der die wichtigsten Aspekte des Intranets auf einem Plakat in Stellwandgrösse dargestellt werden und die dann in lockerer Atmosphäre (stehend! sitzen tun die Damen und Herren eh genung) gemeinsam diskutiert werden können (wobei auch die Barriere zwischen “Präsentator” [steht sonst alleine vorne] und “Zuhörern” [sitzten sonst abgegrenzt hinten] durch das Versammeln um das Poster aufgelöst werden soll).

Ein klasse Template für eine solche “Poster-Session” findet sich bei der Stimmt AG, die für die “Intranet Inovation Days 2008″ ein Intranet Portrait Poster gestaltet haben.
Das PowerPoint-Template kann beliebig angepasst werden und hat DIN A1 Format.

Das Poster wurde zwar für den Austausch der Teilnehmer der Intranet Inovation Days 2008 untereinander konzipiert (die Anmeldefrist ist laut Information auf der Website leider bereits abgelaufen), eignet sich aber mit wenig Anpassung auch hervorragend für die interne Vermarktung des Intranets. Und nicht nur für Präsentation vor dem Management, sondern auch zum Aufhängen in grauen Firmengängen, Kantinen und Sitzungsräumen.

Danke, liebes Stimmt Team, für die coole Idee!

Wikinomics im Intranet (1)

Endlich bin ich dazu gekommen das sehenswerte Video mit Don Tapscott über Wikinomics von der Web 2.0 expo in Berlin an zu schauen.

Wikinomics ist die Anwendung des Wiki-Prinzips auf die gesamte Wirtschaft, also v.a. Mass Collaboration und Peer Production in allen Lebensbereichen. Nicht fest definierte Organisationen wie Unternehmen, sondern eben die (beliebigen) Personen, die sich zur Lösung einer Aufgabe, Mitarbeit an einem Produkt etc. berufen fühlen, kommen zusammen und produzieren Dinge, Services, Inhalte usw.
(s.a. Wikinomics bei Wikipedia)

Wie kann dieses Prinzip, das von einigen Organisationen schon mit grossem Erfolg angewendet wird (s. Beispiele im Wikinomics Buch), auf’s Intranet übertragen werden?

Ein paar Gedanken dazu:

Creating Context (instead of Content)

Beispiel für die Anwendung des Wikinomics-Prinzip: nicht selber Video-Inhalte produzieren (wie z.B. ein Fernsehsender), sondern eine Plattform bereitstellen, auf der jeder seine Filme veröffentlichen kann (wie z.B. YouTube).

Dieses Prinzip findet in allen dezentral bewirtschafteten Intranets bereits grundsätzlich Anwendung, z.B.:

  • Es wird eine Plattform (z.B. ein CMS) bereitgestellt, auf der Autoren dann Inhalte einstellen können. Die Überlegenheit gegenüber dem früher häufig anzutreffenden Webmaster-Modell oder einer ausschliesslich zentralen Redaktion ist einleuchtend (obwohl letzteres bei sehr stark kommunikations-orientierten Intranets durchaus noch vorkommt).
  • Über eine gemeinsame Informationsarchitektur wird Kontext (und mit ihm Orientierung) geschaffen.
  • Eventuell vorhandene Möglichkeiten zum Tagging, Kommentieren, Rating etc. schaffen Kontext über den eigentlichen Content hinaus, in dem sie Zusammenhänge mit anderen Personen und deren Meinungen und Vorstellungen mit einbeziehen.

Es gibt also bereits Kontext, trotzdem ist gerade das Content Management ein Hauptproblem für viele Intranets: von zu wenig (oder den „falschen“) Autoren über veralteten und trivialen Content bis zur mangelnden Vertrauenswürdigkeit der Inhalte (z.B. aufgrund mehrerer Versionen der gleichen Information) reichen die Schwierigkeiten, die manchmal auch mit grossen Anstrengungen nur unbefriedigend gelöst werden können.

Neben kulturellen Faktoren, die häufig hinter diesen Problemen stehen, gibt es z.B. folgende Ursachen und Anknüpfungspunkte (aus Wikinomics-Perspektive):

  • Autoren: „Everyone is a Publisher“ – das habe ich als Intranet Manager im Jahr 2001 meinem damaligen Arbeitgeber vorgeschlagen um den Kreis der Autoren von ca. zwei Dutzend auf potentiell mehrere Tausend zu erweitern und so Content von jeder „Front“ des Unternehmens schnell, unaufwändig und ohne Umwege für das gesamte Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Denn das Problem mit den Intranet Autoren ist wohl das, dass es überhaupt Intranet Autoren gibt! (zentrale Intranet Redaktionen bspw. für die interne Kommunikation u.ä. ausgenommen). Nur wenn jeder direkt und ohne „Anfangsinvestition“ (z.B. Schulungsbesuch) Content bereitstellen kann, ist ein Abdecken aller relevanten Informationen, Tätigkeitsbereiche, Aktivitäten und aktuellen Geschehnissen in einer Organisation überhaupt möglich. Selbstverständlich muss das dann auch tatsächlich getan werden (Arbeitskultur) und Mechanismen zur sinnvollen Lenkung und Filterung dieser Informationen existieren.
    Dieser Vorgang ist für uns „Büromenschen“ seit der flächendeckenden Verbreitung von Email im Prinzip schon selbst verständlich. Allerdings unter dem entscheidenden Vorbehalt der adressierten und damit (scheinbar) kontrollierten Kommunikation. Zur für jeden sichtbaren Publikation von Informationen gibt es somit (vor allem mental) einen tiefen Graben.
    Blogs und Wikis, aber auch Tagging und jede andere Form des Einbezugs der Benutzer sind Schritte um diesen Graben langsam aber sicher zu zuschütten.
  • Content und Personen: Intranet-Inhalte haben heute meist einen geringen Bezug zu Personen. Auch wenn die Nennung und Verlinkung des Autors zu jedem Content in den meisten Intranets inzwischen Standard ist, stehen Dinge wie Themenbereiche, Produkte, Prozesse oder Abteilungen meist im Vordergrund. Auch die zum Autor abrufbaren Informationen beschränken sich meist (neben den Kontaktdaten) auf diese rein inhaltsbezogenen Aspekte. Wer der Autor ist, woran er gerade arbeitet, was seine (beruflichen) Interessen sind, bleibt meist im Dunkeln. Der Leser kann dadurch keine Beziehung zum Autor (dessen Gedankenwelt, Motivationen, etc.) aufbauen, entsprechend bleibt auch der Content “anonym”. Dieser Um- oder besser Missstand ist wohl ein Relikt aus der Printwelt (wo der Leser i.d.R. auch keine Beziehung zum Redakteur hat – Starjournalisten, Kolumnenschreiber etc. natürlich ausgenommen), steht aber im deutlichen Gegensatz zur sonstigen Erlebniswelt, in der Informationen viel stärker mit Personen verknüpft sind. Das “Wer?” ist nicht nur bei Reden von Politikern oder Hollywood-Stars in Filmen ein entscheidender Faktor, sondern sogar bei trivialen Dingen wie dem Absender einer Email. Die Person ist oft mindestens so wichtig, wie der Inhalt. Das wird bei Intranets noch häufig ausser Acht gelassen,
    Geeignetes Instrument um hier Abhilfe zu schaffen ist das „Telefonbuch“ (Employee Directory), das sinnvoll erweitert und ergänzt werden sollte, um den Mitarbeitern echten Kontext zu geben, der sich dann wiederum auf den Kontext des Contents vererben kann. Ein gutes Beispiel sind hier sicher die „Blue Pages“ von IBM (vgl. “mITeinander im Web 2.0“ von Peter Schütt (PDF, >1 MB, Folien 15 + 16) aber natürlich auch die öffentlichen “Pendants” wie Xing, Facebook und Konsorten.

Auch bspw. benutzergenerierte Tags als Ergänzung bestehender Metadaten und Informationsarchitekturen oder Mash-up Plattformen (auf denen sich die Mitarbeiter selber Anwendungen und Informations-Verknüpfungen erstellen können) sind weitere Möglichkeiten zur Schaffung von Kontext, die das eigenverantwortliche und selbstmotivierte Erzeugen und Bereitstellen von Content fördern und verbessern.

Im zweiten Teil möchte ich den Aspekt „Peering“ und Selbstorganisation unter die Lupe nehmen (oder doch lieber den Aspekt „act global“?).

p.s.: Der „Everyone is a Publisher“-Vorschlag ist damals nicht auf grosses Verständnis gestossen und die Probleme im Content Management blieben (trotz grosser Anstrenungen) bestehen … ;-) Heute wäre die Argumentation sicher (etwas) leichter.

Wie gut ist mein Intranet wirklich?

Diese Frage höre ich im Beratungsgeschäfts natürlich öfters. Eine Schulnotenskala ist als Antwort i.d.R. nicht ausreichend, weil die Individualität eines Intranets und dessen Sinn und Nutzen für das jeweilige Unternehmen sich zu stark unterscheiden (und eine solche Benotung somit nru den Vergleich mit einen theoretischen Idealzustand darstellen kann).

Trotzdem ist Vergleichen und Messen natürlich sinnvoll und nutzenstiftend, gerade weil vielen Intranet Managern der (breite) Vergleich mit anderen Intranets fehlt (dementsprechend ist “wie machen das denn die anderen Unternehmen?” auch eine oft gehörte Frage).

Benchmarking ist in diesem Fall das Zauberwort, weil dort eben dieser Vergleich mit (möglichst vielen) anderen Praxisfällen in einer strukturierten und umfassenden Form erfolgt. Intranet Benchmarking ist jedoch eher selten, so dass es sehr erfreulich ist, dass das Intranet Benchmarking Forum seine Aktivitäten zukünftig auch stärker auf Europa ausrichtet und somit auch Unternehmen bspw. im deutschsprachigen Raum besser von diesen Möglichkeiten profitieren können.

Links:
- IBF opens door to companies in Asia-Pacific and mainland Europe
- Infos zum IBF Europe

Mehr dazu später…

Das Geheimnis erfolgreicher Intranets

Ein Blick auf die 10 Best Intranets of 2008 zeigt – wieder einmal – wie vielfältig die Erfolgsfaktoren guter Intranets sein können (und für Freunde von Jahresanfangsvorhersagen, die auch den Sinn haben, sich erfolgreich an kommenden Trends auszurichten sei z.B. auf Enterprise intranet predictions for 2008 oder Attitudes & activities for intranet managers in 2008 verwiesen).

Was aber, wenn man alle diese Erfolgsfaktoren auf einen einzigen herunter brechen will? Was ist also das Erfolgsgeheimnis, das Wunder- und Allheilmittel, das zudem noch immer und überall funktionier?
(die Frage ist selbstverständlich mit einer gewissen Ironie gestellt, die Antwort aber durchaus ernst gemeint…)

Intranets sind Veränderungsinstrumente. Veränderungen erzeugen Widerstände. Der Umgang mit diesen Widerständen, der Umgang mit den sich daraus ergebenden Rückschlägen, auch der Umgang mit den aufgrund der oft nicht vorhersehbaren Entwicklungen resultierenden Misserfolgen und Fehlentscheidungen sind aus meiner Erfahrung heraus eben dieser “Wunderfaktor”.

So wie sich erfolgreiche Menschen nicht dadurch von weniger erfolgreichen Menschen unterscheiden, dass ihnen nie Fehler unterlaufen oder sie nie Rückschläge erleiden, sondern dadurch, dass sie sich davon nicht entmutigen und von ihren Zielen abbringen lassen, so verhält es sich auch hinsichtlich eines Intranets:

Beharrlichkeit, unbeirrbare (Selbst-) Motivation, missionarische Berufung und der Wille es immer wieder auf’s Neue (und auf neuen Wegen) zu versuchen, scheinen mir der Haupt-Erfolgsfaktor (auch) für Intranets zu sein.

In diesem Sinne: ein erfolgreiches Intranet-Jahr 2008!

Some Intranet Collections

A while ago I started collecting good examples and interesting stuff around the topic of Intranets on my professional website (Schillerwein Net Consulting).

I moved them here now as well:

You can find all this and more in my “My Links” section.

E-Mails blockieren den Kopf – und IM, Blogs, Facebook et al.?

Über die negativen Auswirkungen der Email-Fluten auf Produktivität und Zufriedenheit wird immer wieder berichtet (aktuell in der FAZ).

Erstaunlich ist, dass dabei ausschliesslich auf Email eingegangen wird und alle anderen Kommunikations- und Informationsmedien keine Erwähnung finden.

Was ist z.B. mit IM? Intrusionsgrad, Reaktionserwartung und Multitaskingerfordernis sind bei Skype & Co. in der Praxis noch erheblich höher als bei Email.

Auch die Vielzahl neuer Informationsströme der Web 2.0-Ära (seien es nun Blogs, Feeds in Facebook, Twitter etc. etc.) dürften Auswirkungen auf Produkitivität und Zufriedenheit haben. Denn auch wenn hier die Kontrolle und Steuerung praktisch vollständig bei einem selber liegen, ist doch der “Up-to-date”-Sog (also der selbst auferlegte Zwang regelmässig zu checken, was dort „läuft“) hoch.

Das Intranet hat ein Imageproblem

In letzter Zeit sehe ich häufiger Kommentare, die Intranets als langweilige, veraltete Instrumente längst vergangener Tage abtun.

Ohne Zweifel sind viele Intranets charmelose CMS-basierte Daten-Friedhöfe. Daher kommt es wohl auch, dass als Definition eines Intranets in vielen Köpfen “internes, statisches, zentralistisches Content-Silo für Top-down-Infos” festgeschrieben ist.

Aber wieso wird das Intranet nicht wie das Internet gesehen? Als Plattform, auf der beliebige (web-basierte) Anwendungen laufen können. Blogs, Wikis, Social Networks etc. sind dann integraler Bestandteil dieser Plattform und nicht losgelöste Instrumente.

Ein so verstandenes Intranet wird heute wie morgen Nutzen stiften, bietet die Flexibilität sich auf zukünftige Entwicklungen sowie Bedürfnisse von Benutzern und Unternehmen anzupassen und verhindert, dass das Rad unter Wiederholung der Fehler der Vergangenheit immer wieder neu erfunden werden muss.

178 Intranets auf einen Blick im ‘Global Intranet Report’

Manchmal dauert es etwas länger… ;-) Obwohl ich Partner/Supporter des Global Intranet & Portal Strategies Report 2007 von Jane McConnell bin, komme ich erst jetzt dazu, darüber zu bloggen (nachdem ich vor Weihnachten endlich die Zeit zur Lektüre gefunden habe).

Im Vergleich zum Vorjahr (also 2006) gibt es einige interessante Veränderungen (aber natürlich auch recht unveränderte bedauerliche Zustände in manchen Intranets).

Ein paar kurze “Highlights” aus strategischer Perspektive:

- Die wichtigsten Hinderungsgründe: Intranet hat keine Priorität, das Potential wird nicht erkannt und kein Commitment des Top-Managements
- nur 4 von 10 Unternehmen haben eine dokumentierte Intranet Strategie
- Dashboards – also ein Tool, mit dem man das Management ins Boot holen könnte – werden nur bei 11% eingesetzt

Die vollständigen Ergebnisse gibt es in 2 Versionen direkt bei Jane: Global Intranet Trend Report / Analysis Report