Monthly Archive for March, 2008

Dritt-Anwendungen im Intranet: Usability ade?

Bei der Einbindung von Fremd-Applikationen in ein Intranet stellt sich immer die Frage der (wirtschaftlich) sinnvoll möglichen Integrationstiefe. Eine grosse Tiefe ist meist wünschenswert, oft aber auch aus finanziellen Überlegungen heraus nicht möglich, weil viele Applikationen dies nicht oder nur unzureichend unterstützen. Davon sind nicht nur funktionale Aspekte betroffen (z.B. Integration in Suche, Personalisierungsfunktionen, Content Syndication, …), sondern auch die Anpassung der Oberfläche hinsichtlich Design und Usability.

Ein Report des Intranet Benchmarking Forums hat sich dieser Themenstellung angenommen und anhand von drei Mitgliedsunternehmen, die unterschiedliche Dritt-Anwendungen im Einsatz haben (SAP, Oracle und Clarity), den aktuellen Stand in der Praxis untersucht (2007).

Die Ergebnisse sind relativ ernüchternd, wie anhand der eigens für diesen Zweck entwickelten „Evaluationscheckliste“ für den konkreten Anwendungsfall bei der Firma Transport for London deutlich wird.
Die Checkliste enthält 45 Kriterien aus den Bereichen „System status and Messages“, „Branding and Appearance“, „Terminology“, „Navigation“, „Accessibility“ and „Additional Questions“ und deutlich weniger als die Hälfte der Anforderungen der Checkliste konnten im untersuchten Fall tatsächlich erfüllt werden.

So sollte es bspw. selbstverständlich sein, dass Software-Anbieter ihren (potentiellen) Kunden ausführliche Dokumentationen über die mit dem System durchgeführten Usability-Tests bereitstellen (können). In der Praxis ist das jedoch kaum der Fall.

Der 24-seitige Report mit dem Titel „Usability of third-party intranet applications“ steht IBF-Mitgliedern kostenlos zur Verfügung. Eine Zusammenfassung ist frei zugänglich: IBF Benchmarking Reports Summaries
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Nachtrag: Frank Spillers schreibt es sogar noch drastischer: “…the practice of shipping unusable web applications or web services seems to be a business model.” (siehe: Warning: Third-party Usability is Bad for your Health)

Reibungsgewinne für’s Intranet realisieren

Reibungsverluste dürften den meisten Intranet-Verantwortlichen nur zu gut bekannt sein: politische Machtspielchen, Technologiegefangenheit, Veränderungsunwilligkeit, Mitspracherechte, Datenschutzbedenken etc. etc.
Meist führen sie dazu, dass (dringend benötigte) Intranet-Innovationen nicht, nur teilweise oder verzögert eingeführt werden.

Auf der anderen Seite entwickelt sich das Web (2.0) immer stärker zu einer Innovationslokomotive deren bereits enorme Geschwindigkeit stetig weiter zunimmt. Intranets bleiben im Vergleich dazu immer deutlicher zurück, die Schere zwischen möglichen und ausgeschöpften Potentialen öffnet sich immer weiter.

Innovationsaversion ist häufig in den Aspekten „neu“ und „unbekannt“ begründet, deshalb sieht man Risiken statt Chancen, Veränderungsaufwände statt Effizienzgewinne.
Um dem Neuen das Neue und dem Unbekannten das Unbekannte zu nehmen, reicht es (meist) nicht aus, darüber zu reden, Folienschlachten zu liefern oder zentnerschwere Feinspezifikationen zu schreiben. Nutzer und Entscheider müssen es „anfassen“ und ausprobieren können.

Das Intranet Labor

Jeder Forschungs- & Entwicklungsbereich hat es: ein Labor zum Experimentieren und Ausprobieren, zum Testen, Gutbefinden und Verwerfen.

Wieso nicht auch für’s Intranet? Ein Test-Intranet hinter dem offiziellen Intranet, das nur einen Klick entfernt alles bietet, was das normale Intranet auch bietet, plus zusätzliche neue Möglichkeiten. Ohne Gewähr und zum Ausprobieren. Die innovativen, aufgeschlossenen Köpfe in der Organisation (und diejenigen, die in den adressierten Bereichen ein Bedürfnis haben) können die Features testen und für ihre Zwecke einsetzen. Was gut ankommt und Nutzen generiert kann ins eigentliche Intranet übernommen werden (und ist dann bereits nicht mehr neu und unbekannt, sondern hat seine Bewährungsprobe schon hinter sich), alles andere wird wieder eingestampft.

Schier endlose Konzeptions-, Diskussions- und Entscheidungsprozesse werden (drastisch) verkürzt, die Innovationsgeschwindigkeit erheblich erhöht, echte Bedürfnisse lokalisiert und befriedigt, das Risiko von Weiterentwicklungsmassnahmen stark minimiert. Selbstverständlich bedarf es eines Budgets zum „Betrieb“ des Labors, einer sorgfältigen Auswahl der Labor-Projekte und einer Intranet-Plattform, die eine derartige Flexibilität sinnvoll ermöglicht.

Ein Teil des Charme ist sicher, dass das Labor harte Fakten statt weicher Meinungsspielbälle liefert, nutzbare Services statt Konzeptionspapieren erzeugt. Und dann ist es plötzlich so, als ob die kleine (fast stehende) „Dampflok Intranet“ sich am (rasant fahrenden) „ICE Internet“ anlehnt und von dessen Geschwindigkeit endlich stärker profitieren kann. Dass bei diesem Reibungsgewinn auch Reibungswärme erzeugt wird, dürfte offensichtlich sein…

Der Browser als Desktop - WebOS is here…

Der Browser wird immer mehr zum universellen Tool für alle möglichen internen und externen Anwendungen. Auf der enterprise2open hat Jéremie Joslin gerade die eXo Platform präsentiert.

Aussehen tut das eigentlich völlig unspektakulär: alles funktioniert genauso wie auf einem Desktop - aber eben im Browser!
Und das ist dann eben doch spektakulär. Die Implikationen, bspw. für ein Intranet, sind sehr weit reichend. Das eröffnet viele neue Möglichkeiten, zunächst natürlich eine ganz andere User-Experience, doch vor allem neue Arbeitsweisen und Anwendungsgebiete.
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(Damit ist die enterprise2open leider schon wieder vorbei, hat Spass gemacht und mir ein paar neue Aspekte des Enterprise 2.0 eröffnet)

Presentation “Enterprise Search 2.0″ at enterprise2open

I’ve done a little presentation about the changing nature of Enterprise Search in the light of Social Software and Web 2.0 in the Enterprise at the enterprise2open:

Enterprise Search 2.0 (PDF, 0.9 MB)
(most of it was a live demo in the web - links are enclosed in the PDF)

The agenda of the event is available in a previous post: Programm der enterprise2open (in German)

Programm der enterprise2open

Heute findet in der CeBIT Content Management Arena die barCamp-ähnliche “enterprise2open” statt.

Bei diesem offenen Format kann jeder der Anwesenden einen Vortrag zum Themenbereich Enterprise 2.0 halten. Damit die spontan zusammengestellte Agenda nach dem Event nicht im Nirwana versinkt, hier die Programmpunkte:

  • Wiki-Patterns, Martin Koser (frogpond)
  • Demo: People Centric Approach, Toby Baier (Coremedia)
  • Net Culture, Oliver Gassner (Carpe)
  • Enterprise Search 2.0, Stephan Schillerwein (Schillerwein Net Consulting)
  • Applications inside Wiki: using examples with xwiki and google sites, Ludovic Dubost (xwiki.org)
  • Enterprise 2.0 in CoreMedia, Sören Stamer (CoreMedia)
  • Exo Platform - Enterprise Desktop, Jéremie Joslin (eXo Platform)

Werde das später noch verlinken… ;-)

Enterprise Twitter – mit Micro-Blogging immer up-to-date bleiben [Live Blogging]

Nachdem Martin Koser von frogpond Social Software Consulting gerade über „Erfolgsfaktoren der Wiki-Einführung in KMU’s“ referiert hat (und viele Fragen beantworten durfte – selbst an einem „Laufpublikums-Tag“ wie dem heutigen Samstag stösst ein Thema wie Wiki also auf breites Interesse) folgt auf der Content Management Arena in der Session „Wikis & Weblogs als Web-Auftritt“ nun Christian Pesch von Coremedia, der eine Experimentierversion eines „Enterprise Microblogs“ präsentiert, das das Unternehmen bereits intern einsetzt.

Enterprise 2.0: Microblogging mit trillr

Micro-Blogging ist ein noch recht unbekannter Web 2.0-Ansatz. Ich bin (laut den Handmeldungen) der einzige im Publikum, der regelmässig micro-blogged (na ja, so halb regelmässig…).

Mirco-Blogs (bekanntester Vertreter ist Twitter) sind kurze Textnachrichten, die wie normale Blog-Einträge auch veröffentlicht werden (vergleichbar mit einer SMS, die man aber nicht an eine Person sendet, sondern ans ganze Web). Diese Postings („tweets“ genannt) kann man „abonnieren“ und so über die Aktivitäten, Anliegen und Gedanken der Personen denen man “folgt” sehr zeitnah informiert bleiben.

Der Nutzen bzw. Vorteil für den User ist laut Pesch u.U. nicht auf den ersten Blick ersichtlich bzw. erschliessbar, so dass meist erst Unverständnis und Skeptik, dann häufig auf das Ausprobieren aber eine grosse Wertschätzung dieser Dienste folgt.
(ich selber befinde mich aktuell eher noch in der Phase der Skepsis…)

Ein sehr zeitnahes Lesen der Tweets ist wichtig, Blogs liest man auch noch Tage später, tweets haben dann ihre Relevanz vielfach schon verloren. Deshalb ist mobile Verwendbarkeit (z.B. per SMS aufs Handy) unabdingbar.

Im Unternehmen kommt zusätzlich „Privatheit“ als entscheidender Faktor dazu, da nicht alle Infos öffentlich zugreifbar sein sollen, sondern gezielt bspw. nur für interne Benutzer oder Partner zur Verfügung gestellt werden sollen.

Nun zeigt der Referent eine Live Demo des Systems, dessen Startseite öffentlich zugänglich ist: www.trillr.com

Sieht fast genau wie Twitter aus ;-) Der Prototyp ist in nur 3 Tagen Entwicklung entstanden. Öffentliche Tweets können per vorangestellten „t „ auch gleich nach Twitter weiter gepostet werden. Auch mit einem Client wie snitter kann Trillr „bestückt“ werden.

Frage aus dem Publikum:

„Was ist der wirkliche Mehrwert, der Business Value davon“?

  • Näher zusammen rücken
  • Wissen des Netzes passiv und aktiv nutzbar machen (z.B. Fragen an das Netz stellen)
  • Dokumentierung von Ereignissen, aktuellen Situationen
  • Leute suchen, Messages rausbringen – Ersatz für Massenemails, Reduktion der cc:-Flut

Als konrektes Beispiel aus der eigenen Praxis nannte Christian Pesch (der unter cpesch in Twitter ist) das kurzfristige Suchen eines Ersatzspeakers für einen Kongress. Kurz nachdem das in Trillr veröffentlicht wurde, meldete sich ein Kollege und übernahm das Referat.

Mein Fazit: bei Micro-Blogging geht es um das, was im Englischen so schön ’serendipity’ genannt wird, also das zufällige (aber nutzenstiftende) Mitbekommen von Informationen und Ereignissen. Daraus können Synergien entstehen (wenn man bspw. zufällig von einem Projekt erfährt, das für den eigenen Arbeitsbereich von Relevanz ist), Doppelarbeiten vermieden werden (wenn man bspw. mitbekommt, dass ein anderer Kollege gerade heute bei einem Kunden ist, den man auch mal wieder besuchen wollte) und generell ein besserer Überblick über die aktuellen Aktivitäten von Kollegen, Partnern etc. bekommen (v.a. in geographisch verteilten Teams).

CMS oder EIP (Enterprise Information Portal) – was ist das bessere Integrationsportal? [Live Blogging]

Hier ein kleiner Live-Post (mit gut 18 Stunden Verspätung aufgrund der Stand-Party…) von der Content Management Arena auf der Cebit. Zum Ende des heutigen Tages wird im Schwerpunktthema „CMS als Aggregationsplattform“ über das im Titel genannte Thema diskutiert. Teilnehmer der Panel-Diskussion sind:

Moderator: Björn Negelmann, [n-sight]

Hier einige Diskussionsaspekte:

Machen die verschiedensten neuen Plattformen wie Blogs, Wikis etc. das klassische CMS zukünftig überflüssig?

Nein, meint Lars Onasch, die verschiedenen Content-Objekte und -Arten wachsen vielmehr auf Basis des CMS zusammen. Das ist auch aus dem Blickwinkel eines Vertreters des Standards JCR (Content Repository API for Java) grundsätzlich ein richtiger Ansatz, findet David Nüscheler (der „Vater“ von JSR-170 und JSR-283). Hauptsache, es existiert überhaupt ein gemeinsames, übergreifendes Repository, das integriert alle benötigten Möglichkeiten (Funktionen, Contents, …) zur Verfügung stellt.

Auch für die CMS-Hersteller steht die Zusammenführung der heutigen Vielzahl der Repositories im Vordergrund. Noch werden die eigenen, propreritären Repositories eingesetzt, die Zukunft wird aber bspw. auch von RedDot in den Standards gesehen.

Dies umso mehr, schliesst sich auch Burkhard Bieber an, weil Content Aggregation nicht mehr nur auf die eigenen Quellen im Unternehmen beschränkt ist, sondern eine Vielzahl externen Quellen beinhaltet.
Diese Drittinhalte brauchen dabei i.d.R. nicht ins eigene Repository übernommen werden, sofern nicht hohe Performance-Anfoderungen dies erzwingen oder eine persistente Vorhaltung erforderlich ist.
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Auf welcher Schicht soll idealerweise integriert werden?

Für jede Schicht (Daten-/Content-Schicht, Applikations- und Präsentationsschicht) gibt es Vor- und Nachteile, so das dass Anwendungsszenario und dessen Anforderungen entscheidend sind. In vielen Produkten (so z.B. auch SharePoint) sind eh bereits mehrere dieser Schichten enthalten, also z.B. Portal (=Präsentationsschicht) und Repository.

Für die Präsentationsschicht spricht, dass dort die Integration einfach und günstig erfolgt. Dafür ist sie aber auch nur oberflächlich (im doppelten Sinne des Wortes).
Dies ist bspw. auch bei RSS, Atom & Co. der Fall, die ja vor allem für externen Content eine immer grössere Rolle spielen. Hier sollten entsprechende Umwandlungen nach JSR erfolgen (z.B. durch atom-to-jsr/jsr-to-atom-Umwandlung) um auch hier wieder einheitlich zu sein.

Ein standardisiertes Content Repository kann in Zukunft auch weit über die Welt der unstrukturierten Informationen heraus benutzt werden, bspw. um ERP-Daten zu speichern. Diesen Trend der Ersetzens der Datenbank durch Content Repositories erwartet David Nüscheler in den nächsten 5-10 Jahren bei kleineren ERP-Herstellern zu sehen, bei den Grossen würde es aber wohl noch Jahrzehnte dauern.
Und das obwohl dies viele Vorteile mit sich bringt (z.B. aufgrund der bereits im Repository vorhandene Versionierung, feingranularen Access Controls etc., die heute in der DB nicht drin sind).

Auch vor diesem Hintergrund sollte die Integration idealerweise auf der Content-Ebene erfolgen.

Lars Onasch wirft ein, dass aufgrund der Möglichkeiten der meisten Organisationen besser überhaupt ein personalisierter, „Topf-übergreifende“ Informationszugriff geschaffen werden sollte, bevor weiter gehenende und aufwändigere Integrationsvorhaben auf Applikations- oder Content-Schicht angegangen werden..

Die Frage, ob das CMS oder das Portalsystem in solchen Konstellationen künftig das „Master-System“ darstellt, sieht er in der Praxis nicht erstrangig an technische Überlegungen geknüpft, sondern als meist strategische Entscheidung.
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Das Video der Diskussion (und aller anderen Vorträge und Diskussionsrunden der Content Management Arena) sind mit einer kostenlosen Registrierung online abrufbar (die Inhalte werden nach und nach aufgeschaltet).

„Better than Free“ für Intranets

Kevin Kelly hat unter dem Titel „Better than Free“ einen sehr spannenden Blog-Post darüber geschrieben, wie in einer Welt, in der die Kopie einer Sache (Informationen, Medien, Services, …) quasi oder tatsächlich kostenlos ist, trotzdem Geld verdient werden kann. Die Antwort auf die Frage, wieso jemand für etwas bezahlen sollte, das er/sie auch kostenlos bekommen kann, wird in unkopierbaren Qualitäten gesehen. Bestes Beispiel dafür: Vertrauen.

Der Artikel bezieht sich hauptsächlich auf das Internet (aber auch auf physische Produkte wie z.B. Medikamente) und beleuchtet folgende 8 Werte, die solche unkopierbaren Qualitäten darstellen (und die er „generatives“ nennt):

  • Immediacy
  • Personalization *
  • Interpretation
  • Authenticity *
  • Accessibility *
  • Embodiment
  • Patronage
  • Findability

Haben diese Werte/Qualitäten nun auch hinsichtlich eines Intranets eine Bedeutung? Sehr sogar!

Während über die, von mir in obiger Liste mit einem Stern (*) versehenen Werte schon viel gesagt und geschrieben wurde, wird den anderen Aspekten nach meinen Beobachtungen in der Praxis kaum Aufmerksamkeit geschenkt bzw. ist kein Bewusstsein für deren Relevanz vorhanden.

Immediacy

Bedeutung: sofortige Verfügbarkeit einer Sache

Status in Intranets: meist schlecht, da Informationen, Applikationen und Services typischerweise früher an anderer „Stelle“ verfügbar sind. Wichtige Informationen werden häufig zuerst extern publiziert und danach im Intranet, sich in Arbeit befindliche Informationen (z.B. Spezifikationen, Projekdokus, …) liegen häufig bis zu ihrer Fertigstellung „versteckt“ auf Fileshares o.ä. und werden erst nach Abschluss (also viel später) als fertige Version im Intranet zur Verfügung gestellt (wenn überhaupt), neue Software ist im public Web viel früher und leichter verfügbar als im Intranet (Blogging-Software, Wikis, Social Bookmarking Tools etc.) - die Liste lässt sich fortsetzen.
Die meisten Intranets können dieses (Grund-) Bedürfnis nach sofortiger Verfügbarkeit einer Sache nicht befriedigen, die Benutzer gehen folglich woanders hin, das Intranet verkommt zum Informationsfriedhof.

Abhilfe: in der (vom Unternehmen und dem Management breit getragenen) Intranet-Strategie festlegen, dass das Mitarbeiterportal der „First Point of Availability“ sein soll und das entsprechend leben.

Interpretation

Bedeutung: die Sache selber bekommt man kostenlos, wie man sie (individuell) bestmöglich anwendet (also „interpretiert“), ist ein zusätzlicher, wertvoller Service.

Status in Intranets: meist nicht vorhanden.
Self Service liegt in der Natur eines Intranets, schliesslich sollen dadurch auch (zentrale) Kosten gespart werden. Der Service für’s Intranet selber beschränkt sich deshalb häufig auf technischen Support. Niemand hilft dem Mitarbeiter bspw. beim Suchen, beim Rausfinden der besten Vorgehensweise oder gibt Tipps, wie sich all die schönen Tools am effizientesten nutzen lassen.
Und nachdem nur die wenigsten Menschen in (persönlichem) Informationsmanagement ausgebildet oder geschult sind, kann auch nicht vorausgesetzt und erwartet werden, dass die bereitgestellten Systemen ‘automatisch’ effektiv und effizient eingesetzt werden.

Abhilfe: So wie ein Bibliothekar in einer Bücherei die Besucher zu den richtigen Regalen und Büchern leitet, so kann ein entsprechender Servicedesk für das Intranet, seine Inhalte und Möglichkeiten direkten Mehrwert, Akzeptanz und Nutzerzufriedenheit schaffen.

Embodiment

Bedeutung: das Erlebnis, selber an etwas (körperlich) teilzunehmen, ist vielfach wertvoller als die Sache an sich (z.B. ein Musikstück auf CD im Vergleich zu einem Konzertbesuch)

Status in Intranets: meist nicht vorhanden
Menschen stehen im Intranet normalerweise weit hinten an. Sei es die Autorenangabe zu einem Inhalt, die nur zu dessen Email-Adresse führt; das „Telefonbuch“, aus dem nicht ersichtlich ist, welche Aufgabe der Mitarbeiter denn genau hat oder das übliche Verstecken hinter Abteilungskürzeln und Zuständigkeitsbereichen: es menschelt nicht und ein Zusammenhang von Inhalten (Themen) und Personen wird nur ungenügend hergestellt. Die Verbindung von Content, Kontext und Personen fehlt. Das Herstellen neuer Kontakte auf Basis der Inhalte des Intranets, das Finden von Experten bzw. Expertise zu einem Thema oder eine stärkere Identifikation mit dem Unternehmen als eine aus einzelnen Individuen aufgebaute Organisation bleibt aus.

Abhilfe: Unternehmen, die die Bedeutung dieses Faktors erkannt haben, messen dem Telefonbuch als interne Social Networking Plattform einen grossen Stellenwert bei. Der Eintrag zu jedem Mitarbeiter wird dabei zum Knoten- und Sammelpunkt für all dessen Aktivitäten, Interessen und Beziehungen zu anderen Personen.
{Zu diesem Thema arbeite ich im Intranet Benchmarking Forum derzeit an einer Studie unter dem Titel „Employee Directories Wave 3“ mit}

Patronage

Bedeutung: gerne und freiwillig für eine (an sich kostenlose) Leistung zahlen (wenn einem die Strassenmusikanten gefallen, wirft man ihnen etwas in ihren Hut, obwohl man auch ohne zu Bezahlen zuhören könnte).

Status in Intranets: meist wenig Möglichkeiten zum Ausdruck von Anerkennung und echter Honorierung vorhanden.
Obwohl sich sich immer häufiger Funktionen zum Rating von Inhalten, dem Abgeben von Kommentaren oder der Diskussion über Contents in Intranets finden, bleibt die Anerkennung meist auf dieser Stufe reiner „Lob-/Kritikäusserung“ stehen. Der Vorgesetzte eines Autors bekommt die Bewertung dessen Arbeit im Intranet oft schon gar nicht mehr mit, noch weniger wird sie systematisch ausgewertet um einen Teil der Leistungsbeurteilung zu bilden oder gar Grundlage für eine Beförderung darstellen.

Abhilfe: Ebenso wie der Akt der Wissensteilung selber unzureichend gefördert wird, wird auch die Möglichkeit zur Anerkennung des damit geschaffenen Resultats nur unbefriedigend unterstützt und somit wiederum die Motivation zur Bereitstellung von Informationen und Wissen gesenkt. Wertvorstellungen und Beurteilungssysteme sollten diesen Aspekten deutlich mehr Rechnung tragen als bisher und zusätzlich Freiräume für individuelle Möglichkeiten der Leistungsanerkennung bieten.
Im Grossen dauert das meist lange, deswegen sollte im Einflussbereich des Intranetverantwortlichen damit begonnen werden, z.B. hinsichtlich seiner eigenen Zielvereinbarung und der der Content Manager und Autoren, oder in einem Wiki-Pilotprojekt, im dem der Projekterfolg auch anhand der Einschätzung von Qualität und Nutzen seitens der Nutzer beurteilt wird.

Findability
Bedeutung: Hier denkt man sicher zuerst an Suchmaschine, Informationsarchitekturen & Co. Während das ein Thema für sich ist (das häufig auch schlecht in Intranets gelöst ist), gibt es hier auch den Aspekt der Aufmerksamkeitslenkung und Aggregation (also in diesem Fall das gezielte Bereitstellen der „besten“ Informationen aus allen verfügbaren Quellen).

Status in Intranets: Beides wird meist stark vernachlässigt (von den News auf der Intranet-Startseite mal abgesehen): viel zu selten werden die vorhandenen Inhalte für verschiedene Zielgruppen gezielt aufbereitet, die neusten, wichtigsten, relevantesten Inhalte aus (Mikro-) Themenbereichen sinnvoll aufbereitet, „beworben“ und wiederverwendet.

Abhilfe: Führer durch den Informationsdschungel und alternative Wege zum Content sind gefragt. Meist gibt es deren nur knapp eine Handvoll in einem Intranet (Informationsarchitektur, Suche, Sitemap, Abonnierung und ggf. noch einen A-Z Index). Dabei gibt es noch viel mehr solcher „Wege“. In meinen Intranet-Seminaren stelle ich bspw. immer ein Dutzend weiterer Möglichkeiten vor (und es gibt sicher noch mehr).

Fazit
Einmal mehr sind es die „weichen“, z.T. auch organisatorischen Faktoren, die den Erfolg eines Intranets mitbestimmen und die bisher kaum beachtet werden. Dem teilweise desolaten Zustand der vorgestellten „Qualitäten“ stehen in der Praxis sehr häufig die immer gleichen daraus resultierenden Probleme gegenüber.
Es gibt also einiges an Hausaufgaben zu erledigen… ;-)