Tag Archive for 'Intranet Strategy'

Reorganisation? Investieren Sie lieber in Ihr Intranet!

Viele Unternehmen erachten Reorganisationen als wirksames (bzw. notwendiges) Mittel zur Umsetzung ihrer (veränderten) Unternehmensstrategien.

Wie eine umfangreiche Studie von Booz & Company bei über 1′000 Unternehmen in mehr als 50 Ländern zeigt, sind andere Faktoren jedoch für die Umsetzbarkeit von Strategien deutlich wichtiger. Die bedeutendste Rolle spielen mit 54 von 100 Punkten dabei Merkmale aus der Kategorie “Information“. Klare Entscheidungswege (50 von 100) sind ähnlich wichtig. Weit abgeschlagen sind hingegen die Kategorien Motivationsfaktoren (26) und Strukturen (25 Punkte - zu dieser Kategorie zählen auch Reorg-Massnahmen).

Die fünf wichtigsten Einzelmerkmale (von insgesamt 17) aus allen Kategorien sind:

  1. Everyone has a good idea of the decisions and actions for which he or she is responsible
  2. Important information about the competitive environment gets to headquarters quickly
  3. Once made, decisions are rarely second-guessed
  4. Information flows freely across organizational boundaries
  5. Field and line employees usually have the information they need to understand the bottom-line impact of their day-to-day choices

Die Rolle, die das Intranet bei den Punkten 2., 4. und 5. spielt (oder spielen sollte) dürfte offensichtlich sein. Aber auch bspw. der Punkt 1. (der der Kategorie “Klare Entscheidungswere” zugehört) kann und sollte durch ein Intranet unterstützt werden, z.B. durch

  • umfassende und transparente Dokumentation der Entscheidungsbefugnisse und -prozesse,
  • entsprechend angereicherte Informationen im “Telefonbuch” (um bei Unsicherheiten bspw. herausfinden zu können, welche andere Person ggf. in diesem Bereich noch Entscheidungskompetenzen haben könnte),
  • Abbildung formaler Entscheidungswege (damit nicht versehentlich jemand vergessen wird oder nach einer Entscheidung durchzuführende Schritte übersehen werden)
  • Kommunikation der Entscheidungen im Intranet
  • etc.

Auch die Demokratisierung von Entscheidungen durch Social Media Ansätze kommt hier in den Sinn (bspw. mittels Prediction Markets).

Auch zu den meisten anderen in der Studie verwendeten Merkmalen fallen einem schnell Ansatzpunkte ein, wie das Intranet diese und damit die Fähigkeit des Unternehmens zur Strategieumsetzung unterstützen kann.

Die Studienergebnisse stellen für Intranet-Verwantliche eine Chance dar, (wieder einmal) auf die strategische Bedeutung ihres Intranets für das Unternehmen hin zu weisen und konkrete Ansätze aufzuzeigen, wie mit dem Intranet die Ziele des Unternehmens gezielt unterstützt werden können.

Eine Zusammenfassung der Studie ist im Havard Business Review erschienen und auch als PDF von Booz & Co. verfügbar: The Secrets to Successful Strategy Execution

Modell zur Erfolgsmessung (nicht nur) von Social-Software-Systemen

Viele Intranet Manager kennen die leidigen Diskussionen um den ROI (return on investment) ihrer Intranets. Meist laufen diese auf einen Kompromiss hinaus (der Auftrag- oder Geldgeber will harte Zahlen sehen, der Intranet Verantwortliche kann (vereinfacht gesagt) “nur” qualitative Indikatoren liefern). Da ist es gut, wenn dieser “Kompromiss” auf einem wissenschaftlichen Modell basiert und somit beim Auftraggeber ein Gefühl von fundierten Aussagen entsteht.

Hierzu kann ich das von Tobias Reisberger und Stefan Smolnik am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik 2 der European Business School entwickelte Modell empfehlen:

Modell zur Erfolgsmessung von Social-Software-Systemen (PDF, 0.5 MB)

Das Modell passt hervorragend auch für Intranets (und nicht nur für das “Intranet 2.0″). Anhand von 6 Dimensionen (Systemqualität, Informationsqualität, Servicequalität, Nutzung, Nutzerzufriedenheit und
Nettonutzen) wird ein Wirkungsmodell vorgestellt, bei dem sehr schön deutlich wird, dass die üblicherweise hauptsächlich betrachteten Dimensionen Systemqualität, Informationsqualität und Servicequalität per se keinen direkten Einfluss auf den Nettonutzen eines Systems haben, sondern erst indirekt über ihre Einflüsse auf Nutzung und Nutzerzufriedenheit.
(vgl. Abb. 2 auf S. 11 des oben verlinkten PDF’s)

Intranet Strategy isn’t just about Strategy alone [Intranet Life Blog]

Mein zweiter Gastbeitrag im Intranet Life Blog des IBF: Intranet Strategy isn’t just about Strategy alone

Bisherige Gastbeiträge dort:

Mitmachen beim Global Intranet Survey 2008

Bereits zum dritten mal wird dieses Jahr der “Global Intranet Survey” von Jane McConnell (NetStrategy/JMC) durchgeführt.

Neu können sich interessierte Unternehmen diesmal bis zum 6. Juni vor registrieren, um ihnen wichtige Themenstellungen für diese internationale Studie vorzuschlagen.
Die Durchführung der Studie erfolgt dann ab ca. Ende Juni bis Mitte August.

Als konzeptioneller Partner von Jane für diese Studie freue ich mich auf viele Teilnehmer und auf wie immer spannende Ergebnisse.

Weitere Infos hier direkt von Jane:

Applications are now open for the 2008 Global Intranet & Portal Strategies Survey. Organised by Jane McConnell of NetStrategy/JMC, this will make the 3rd annual edition.

If you are not familiar with the survey, you can read some key observations from 2007 on JMC’s blog Globally Local: 2007 Highlights. All survey participants receive a free copy of the Global Intranet Trends report. (Table of contents from 2007).

The 2008 survey will investigate new topics such as internal social networking and more details on 2.0 applications. Continuing issues such as the single point of access, ROI, overall positioning of the intranet in the organisation and many other points will also be covered.

Organisations are asked to sign up in advance. All you need to do is send an email (using your professional email address) to jane@netjmc.com specifying your name, title or role on the intranet, your organisation’s name, number of employees and the URL of your public web site. You will find more information on the Signup information page on the NetStrategy/JMC web.

As a participant, you have the opportunity to contribute to the topics and questions for 2008. After you sign up, you will receive a link to a 5-minute Quick Poll inviting you to give feedback on what is the most relevant for you at this point in time and to suggest specific topics and questions if you wish. The Quick Poll will be open until June 6th.

The survey itself will take place between end June and mid August. Do not hesitate to get in touch directly with Jane at jane@netjmc.com if you have any questions or comments.

Strategisches Intranet Management - Seminare in Zürich und Frankfurt

Neben der erfolgreichen Seminarserie “Intranet Re-Design” - beim letzten mal hatten wir über 20 Teilnehmer dabei - halte ich in Zürich (11.-12. Juni) und Frankfurt (16.-17. Juni) auch das 2-tägige Intensivseminar “Strategisches Intranet-Management”.

Zu den Key Learnings dieses Seminars zählen:

  • Vernachlässigte Erfolgsfaktoren für Intranets und ihre strategische Bedeutung
  • Organisatorische Voraussetzungen für ein effektives Intranet Management
  • Die Bedeutung des Stakeholder-Managements für Akzeptanz des Intranets
  • Die Rolle des Intranet-Verantwortlichen
  • Effektive Steuerungsmechanismen und Massnahmen für aktive Intranet Governance
  • Konsequente Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter und des Unternehmens
  • Wie Web 2.0 und Social Computing auch im Intranet Nutzen stiften
  • Wie die Auffindbarkeit von Informationen optimiert werden kann

Alle Infos und Anmeldung unter: Strategisches Intranet-Management

Einen Intranet Innovations-Tag im eigenen Unternehmen veranstalten – mit ‘IBF 24′

Beim Thema Intranet wollen immer viele mitreden. Das ist auch gut und wichtig, doch leider häufig wenig Ziel führend. Neben politischen Aspekten (jemand will das Intranet z.B. in eine bestimmte, ihm persönlich vorteilhaft erscheinende Richtung drängen) und psychologischen Faktoren (veränderungsresistente Kollegen werden für jeden noch so guten Weiterentwicklungsvorschlag einen Grund finden, warum das nicht gemacht werden sollte) fehlt den Diskussionsteilnehmern häufig schlicht Wissen und Erfahrung.

So bleiben gute Ideen und innovative Ansätze auf der Strecke, weil sie für viele nicht richtig vorstellbar sind und deswegen Chancen und Nutzenbeitrag nicht gesehen oder verstanden werden. Kein Wunder, denn wer ausserhalb des Intranet-Teams hat schon in nennenswertem Umfang Erfahrung mit (anderen) Intranets und deren Möglichkeiten?
Selbst ein Kommunikationschef wird kaum dazu zu bewegen sein, sich bspw. auf einer Intranet-Konferenz über die neusten Entwicklungen ein Bild zu verschaffen (dazu hat er ja schliesslich auch seinen Intranet Manager), geschweige denn Mitarbeiter aus den Geschäftsbereichen oder der Unternehmensleitung.

Einige der besten Intranets live im eigenen Unternehmen erleben

Aber was wäre, wenn die Konferenz ins Unternehmen käme und die Möglichkeit bieten würde, einen eigenen Intranet Innovations-Tag um sie herum zu gestalten? Wenn alle Interessierten sich Einblicke in einige der innovativsten und besten Intranets verschaffen könnten, weltweit und in allen Zeitzonen?

Diese bisher einmalige Möglichkeit besteht am 18. und 19. Juni während 24 Stunden im Rahmen des ‘IBF 24′, einer virtuellen Online-Konferenz, veranstaltet vom Intranet Benchmarking Forum.
Während selbstverständlich auch eine ganz normale Teilnahme als Einzelperson (oder Intranet-Team) möglich ist, wurde der Event speziell daraufhin ausgerichtet, dass Unternehmen diesen Tag dazu benutzen können, um intern im erweiterten Kreise über das Intranet, seine Probleme und Schwachstellen, seine zukünftige Ausrichtung und innovative Möglichkeiten zu reflektieren. Und das, ohne den Schreibtisch, Meetingraum oder das Unternehmen verlassen zu müssen und mit völlig flexiblen Ein- und Ausstiegzeiten.

12 Intranet Live-Tours – z.B. von BBC, Nokia, IBM, SAP, Nissan, Microsoft oder BT -, Experten-Referate und interaktive Diskussionen erwarten die Teilnehmer. Die vollständige Agenda sowie Anmelde-Informationen finden sich auf der IBF 24-Website.

Stellen Sie sich vor: ein Intranet-Verantwortlicher kämpft schon seit langen für eine Neuausrichtung seines Intranets – ohne Erfolg. Nun erlebt sein CEO am IBF 24 ein Intranet das genau so ist, wie sich der Intranet Manager das vorstellt, und das erfolgreich sowie Nutzen stiftend bei einem grossen, bekannten Unternehmen im Einsatz ist. Er kann seine Zweifel und Fragen mit Leuten diskutieren, die irgendwann mal vor der gleichen Entscheidung wie er jetzt gestanden sind, den Schritt gewagt und gewonnen haben.

IBF 24 könnte so einen echten Innovationsschub für Intranets in Unternehmen weltweit auslösen.

Top-Management Unterstützung für’s Intranet: echtes Commitment oder Lippenbekenntnis?

Die Bedeutung der Unterstützung eines Intranets durch das Top-Management kann wohl kaum unterschätzt werden. In der Praxis sieht es meist anders aus, denn diese Unterstützung zu bekommen ist leichter gesagt als getan. Manchmal erlangt man sogar eine Zusage, doch stellt sich diese im Alltag dann oft als nicht wirklich ernst gemeint heraus.

Wie kann man nun prüfen, ob ein Commitment “echt” ist oder nur ein Lippenbekenntnis darstellt? Hier ein paar Indikatoren:

Ein echtes Commitment liegt vor, wenn der entsprechende Manager …

  • … bereit ist, sich mindestens alle 4 Wochen für 30min mit dem Intranet Verantwortlichen zusammen zu setzen
  • … das Intranet selber vorbildlich benutzt (bzw. sich zumindest darum bemüht)
  • … von sich aus Ideen und Vorschläge zum Intranet einbringt und nicht nur als Entscheidungsinstanz agiert

Deutliche Zeichen für reine Lippenbekenntnisse sind hingegen, wenn der entsprechende Manager…

  • … sich selber nur als (seltener) User des Intranets sieht (anstatt als Treiber und Gestalter)
  • … in Bemerkungen deutlich werden lässt, dass er das Intranet Management für eine simple Angelegenheit hält (die seiner Aufmerksamkeit eigentlich gar nicht würdig ist)
  • … sich dem Thema nur dann annimmt, wenn etwas aus dem Ruder läuft

Es gibt sicher noch bedeutend mehr solche Anhaltspunkte. Welche haben Sie schon beobachtet?

Reibungsgewinne für’s Intranet realisieren

Reibungsverluste dürften den meisten Intranet-Verantwortlichen nur zu gut bekannt sein: politische Machtspielchen, Technologiegefangenheit, Veränderungsunwilligkeit, Mitspracherechte, Datenschutzbedenken etc. etc.
Meist führen sie dazu, dass (dringend benötigte) Intranet-Innovationen nicht, nur teilweise oder verzögert eingeführt werden.

Auf der anderen Seite entwickelt sich das Web (2.0) immer stärker zu einer Innovationslokomotive deren bereits enorme Geschwindigkeit stetig weiter zunimmt. Intranets bleiben im Vergleich dazu immer deutlicher zurück, die Schere zwischen möglichen und ausgeschöpften Potentialen öffnet sich immer weiter.

Innovationsaversion ist häufig in den Aspekten „neu“ und „unbekannt“ begründet, deshalb sieht man Risiken statt Chancen, Veränderungsaufwände statt Effizienzgewinne.
Um dem Neuen das Neue und dem Unbekannten das Unbekannte zu nehmen, reicht es (meist) nicht aus, darüber zu reden, Folienschlachten zu liefern oder zentnerschwere Feinspezifikationen zu schreiben. Nutzer und Entscheider müssen es „anfassen“ und ausprobieren können.

Das Intranet Labor

Jeder Forschungs- & Entwicklungsbereich hat es: ein Labor zum Experimentieren und Ausprobieren, zum Testen, Gutbefinden und Verwerfen.

Wieso nicht auch für’s Intranet? Ein Test-Intranet hinter dem offiziellen Intranet, das nur einen Klick entfernt alles bietet, was das normale Intranet auch bietet, plus zusätzliche neue Möglichkeiten. Ohne Gewähr und zum Ausprobieren. Die innovativen, aufgeschlossenen Köpfe in der Organisation (und diejenigen, die in den adressierten Bereichen ein Bedürfnis haben) können die Features testen und für ihre Zwecke einsetzen. Was gut ankommt und Nutzen generiert kann ins eigentliche Intranet übernommen werden (und ist dann bereits nicht mehr neu und unbekannt, sondern hat seine Bewährungsprobe schon hinter sich), alles andere wird wieder eingestampft.

Schier endlose Konzeptions-, Diskussions- und Entscheidungsprozesse werden (drastisch) verkürzt, die Innovationsgeschwindigkeit erheblich erhöht, echte Bedürfnisse lokalisiert und befriedigt, das Risiko von Weiterentwicklungsmassnahmen stark minimiert. Selbstverständlich bedarf es eines Budgets zum „Betrieb“ des Labors, einer sorgfältigen Auswahl der Labor-Projekte und einer Intranet-Plattform, die eine derartige Flexibilität sinnvoll ermöglicht.

Ein Teil des Charme ist sicher, dass das Labor harte Fakten statt weicher Meinungsspielbälle liefert, nutzbare Services statt Konzeptionspapieren erzeugt. Und dann ist es plötzlich so, als ob die kleine (fast stehende) „Dampflok Intranet“ sich am (rasant fahrenden) „ICE Internet“ anlehnt und von dessen Geschwindigkeit endlich stärker profitieren kann. Dass bei diesem Reibungsgewinn auch Reibungswärme erzeugt wird, dürfte offensichtlich sein…

„Better than Free“ für Intranets

Kevin Kelly hat unter dem Titel „Better than Free“ einen sehr spannenden Blog-Post darüber geschrieben, wie in einer Welt, in der die Kopie einer Sache (Informationen, Medien, Services, …) quasi oder tatsächlich kostenlos ist, trotzdem Geld verdient werden kann. Die Antwort auf die Frage, wieso jemand für etwas bezahlen sollte, das er/sie auch kostenlos bekommen kann, wird in unkopierbaren Qualitäten gesehen. Bestes Beispiel dafür: Vertrauen.

Der Artikel bezieht sich hauptsächlich auf das Internet (aber auch auf physische Produkte wie z.B. Medikamente) und beleuchtet folgende 8 Werte, die solche unkopierbaren Qualitäten darstellen (und die er „generatives“ nennt):

  • Immediacy
  • Personalization *
  • Interpretation
  • Authenticity *
  • Accessibility *
  • Embodiment
  • Patronage
  • Findability

Haben diese Werte/Qualitäten nun auch hinsichtlich eines Intranets eine Bedeutung? Sehr sogar!

Während über die, von mir in obiger Liste mit einem Stern (*) versehenen Werte schon viel gesagt und geschrieben wurde, wird den anderen Aspekten nach meinen Beobachtungen in der Praxis kaum Aufmerksamkeit geschenkt bzw. ist kein Bewusstsein für deren Relevanz vorhanden.

Immediacy

Bedeutung: sofortige Verfügbarkeit einer Sache

Status in Intranets: meist schlecht, da Informationen, Applikationen und Services typischerweise früher an anderer „Stelle“ verfügbar sind. Wichtige Informationen werden häufig zuerst extern publiziert und danach im Intranet, sich in Arbeit befindliche Informationen (z.B. Spezifikationen, Projekdokus, …) liegen häufig bis zu ihrer Fertigstellung „versteckt“ auf Fileshares o.ä. und werden erst nach Abschluss (also viel später) als fertige Version im Intranet zur Verfügung gestellt (wenn überhaupt), neue Software ist im public Web viel früher und leichter verfügbar als im Intranet (Blogging-Software, Wikis, Social Bookmarking Tools etc.) - die Liste lässt sich fortsetzen.
Die meisten Intranets können dieses (Grund-) Bedürfnis nach sofortiger Verfügbarkeit einer Sache nicht befriedigen, die Benutzer gehen folglich woanders hin, das Intranet verkommt zum Informationsfriedhof.

Abhilfe: in der (vom Unternehmen und dem Management breit getragenen) Intranet-Strategie festlegen, dass das Mitarbeiterportal der „First Point of Availability“ sein soll und das entsprechend leben.

Interpretation

Bedeutung: die Sache selber bekommt man kostenlos, wie man sie (individuell) bestmöglich anwendet (also „interpretiert“), ist ein zusätzlicher, wertvoller Service.

Status in Intranets: meist nicht vorhanden.
Self Service liegt in der Natur eines Intranets, schliesslich sollen dadurch auch (zentrale) Kosten gespart werden. Der Service für’s Intranet selber beschränkt sich deshalb häufig auf technischen Support. Niemand hilft dem Mitarbeiter bspw. beim Suchen, beim Rausfinden der besten Vorgehensweise oder gibt Tipps, wie sich all die schönen Tools am effizientesten nutzen lassen.
Und nachdem nur die wenigsten Menschen in (persönlichem) Informationsmanagement ausgebildet oder geschult sind, kann auch nicht vorausgesetzt und erwartet werden, dass die bereitgestellten Systemen ‘automatisch’ effektiv und effizient eingesetzt werden.

Abhilfe: So wie ein Bibliothekar in einer Bücherei die Besucher zu den richtigen Regalen und Büchern leitet, so kann ein entsprechender Servicedesk für das Intranet, seine Inhalte und Möglichkeiten direkten Mehrwert, Akzeptanz und Nutzerzufriedenheit schaffen.

Embodiment

Bedeutung: das Erlebnis, selber an etwas (körperlich) teilzunehmen, ist vielfach wertvoller als die Sache an sich (z.B. ein Musikstück auf CD im Vergleich zu einem Konzertbesuch)

Status in Intranets: meist nicht vorhanden
Menschen stehen im Intranet normalerweise weit hinten an. Sei es die Autorenangabe zu einem Inhalt, die nur zu dessen Email-Adresse führt; das „Telefonbuch“, aus dem nicht ersichtlich ist, welche Aufgabe der Mitarbeiter denn genau hat oder das übliche Verstecken hinter Abteilungskürzeln und Zuständigkeitsbereichen: es menschelt nicht und ein Zusammenhang von Inhalten (Themen) und Personen wird nur ungenügend hergestellt. Die Verbindung von Content, Kontext und Personen fehlt. Das Herstellen neuer Kontakte auf Basis der Inhalte des Intranets, das Finden von Experten bzw. Expertise zu einem Thema oder eine stärkere Identifikation mit dem Unternehmen als eine aus einzelnen Individuen aufgebaute Organisation bleibt aus.

Abhilfe: Unternehmen, die die Bedeutung dieses Faktors erkannt haben, messen dem Telefonbuch als interne Social Networking Plattform einen grossen Stellenwert bei. Der Eintrag zu jedem Mitarbeiter wird dabei zum Knoten- und Sammelpunkt für all dessen Aktivitäten, Interessen und Beziehungen zu anderen Personen.
{Zu diesem Thema arbeite ich im Intranet Benchmarking Forum derzeit an einer Studie unter dem Titel „Employee Directories Wave 3“ mit}

Patronage

Bedeutung: gerne und freiwillig für eine (an sich kostenlose) Leistung zahlen (wenn einem die Strassenmusikanten gefallen, wirft man ihnen etwas in ihren Hut, obwohl man auch ohne zu Bezahlen zuhören könnte).

Status in Intranets: meist wenig Möglichkeiten zum Ausdruck von Anerkennung und echter Honorierung vorhanden.
Obwohl sich sich immer häufiger Funktionen zum Rating von Inhalten, dem Abgeben von Kommentaren oder der Diskussion über Contents in Intranets finden, bleibt die Anerkennung meist auf dieser Stufe reiner „Lob-/Kritikäusserung“ stehen. Der Vorgesetzte eines Autors bekommt die Bewertung dessen Arbeit im Intranet oft schon gar nicht mehr mit, noch weniger wird sie systematisch ausgewertet um einen Teil der Leistungsbeurteilung zu bilden oder gar Grundlage für eine Beförderung darstellen.

Abhilfe: Ebenso wie der Akt der Wissensteilung selber unzureichend gefördert wird, wird auch die Möglichkeit zur Anerkennung des damit geschaffenen Resultats nur unbefriedigend unterstützt und somit wiederum die Motivation zur Bereitstellung von Informationen und Wissen gesenkt. Wertvorstellungen und Beurteilungssysteme sollten diesen Aspekten deutlich mehr Rechnung tragen als bisher und zusätzlich Freiräume für individuelle Möglichkeiten der Leistungsanerkennung bieten.
Im Grossen dauert das meist lange, deswegen sollte im Einflussbereich des Intranetverantwortlichen damit begonnen werden, z.B. hinsichtlich seiner eigenen Zielvereinbarung und der der Content Manager und Autoren, oder in einem Wiki-Pilotprojekt, im dem der Projekterfolg auch anhand der Einschätzung von Qualität und Nutzen seitens der Nutzer beurteilt wird.

Findability
Bedeutung: Hier denkt man sicher zuerst an Suchmaschine, Informationsarchitekturen & Co. Während das ein Thema für sich ist (das häufig auch schlecht in Intranets gelöst ist), gibt es hier auch den Aspekt der Aufmerksamkeitslenkung und Aggregation (also in diesem Fall das gezielte Bereitstellen der „besten“ Informationen aus allen verfügbaren Quellen).

Status in Intranets: Beides wird meist stark vernachlässigt (von den News auf der Intranet-Startseite mal abgesehen): viel zu selten werden die vorhandenen Inhalte für verschiedene Zielgruppen gezielt aufbereitet, die neusten, wichtigsten, relevantesten Inhalte aus (Mikro-) Themenbereichen sinnvoll aufbereitet, „beworben“ und wiederverwendet.

Abhilfe: Führer durch den Informationsdschungel und alternative Wege zum Content sind gefragt. Meist gibt es deren nur knapp eine Handvoll in einem Intranet (Informationsarchitektur, Suche, Sitemap, Abonnierung und ggf. noch einen A-Z Index). Dabei gibt es noch viel mehr solcher „Wege“. In meinen Intranet-Seminaren stelle ich bspw. immer ein Dutzend weiterer Möglichkeiten vor (und es gibt sicher noch mehr).

Fazit
Einmal mehr sind es die „weichen“, z.T. auch organisatorischen Faktoren, die den Erfolg eines Intranets mitbestimmen und die bisher kaum beachtet werden. Dem teilweise desolaten Zustand der vorgestellten „Qualitäten“ stehen in der Praxis sehr häufig die immer gleichen daraus resultierenden Probleme gegenüber.
Es gibt also einiges an Hausaufgaben zu erledigen… ;-)

Der Intranet Manager als Star des Unternehmens

Zu diesem Thema (sehr frei übersetzt) schreibt Cairo Walker (Step Two Designs) im jüngsten CM Briefing „Gaining intranet stardom“.

Ihre 5 Punkte (wieder frei übersetzt):

  • Nimm Dir die Macht
  • Sei mutig
  • Finde Deinen eigenen Weg
  • Tu was und erzähle allen davon
  • Nein-Sagen ist der Schlüssel zum Erfolg

Das sieht auf den ersten Blick zwar nach Plattüden aus, spiegelt aber genau die weichen Faktoren wieder, die bei einem derart politischen Thema wie dem Intranet im Unternehmensalltag vielfach über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Somit beruht dieser kurze Artikel auf sehr ähnlichen Gedanken, aus denen auch mein Blog-Post „Das Geheimnis erfolgreicher Intranets“ hervorgegangen ist. Und man merkt sofort, dass Cairo weiss, wovon sie redet.

Hier gibt’s den ganzen Artikel: Gaining intranet stardom