Modell zur Erfolgsmessung (nicht nur) von Social-Software-Systemen

Viele Intranet Manager kennen die leidigen Diskussionen um den ROI (return on investment) ihrer Intranets. Meist laufen diese auf einen Kompromiss hinaus (der Auftrag- oder Geldgeber will harte Zahlen sehen, der Intranet Verantwortliche kann (vereinfacht gesagt) “nur” qualitative Indikatoren liefern). Da ist es gut, wenn dieser “Kompromiss” auf einem wissenschaftlichen Modell basiert und somit beim Auftraggeber ein Gefühl von fundierten Aussagen entsteht.

Hierzu kann ich das von Tobias Reisberger und Stefan Smolnik am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik 2 der European Business School entwickelte Modell empfehlen:

Modell zur Erfolgsmessung von Social-Software-Systemen (PDF, 0.5 MB)

Das Modell passt hervorragend auch für Intranets (und nicht nur für das “Intranet 2.0″). Anhand von 6 Dimensionen (Systemqualität, Informationsqualität, Servicequalität, Nutzung, Nutzerzufriedenheit und
Nettonutzen) wird ein Wirkungsmodell vorgestellt, bei dem sehr schön deutlich wird, dass die üblicherweise hauptsächlich betrachteten Dimensionen Systemqualität, Informationsqualität und Servicequalität per se keinen direkten Einfluss auf den Nettonutzen eines Systems haben, sondern erst indirekt über ihre Einflüsse auf Nutzung und Nutzerzufriedenheit.
(vgl. Abb. 2 auf S. 11 des oben verlinkten PDF’s)

Der Intranet Manager als Star des Unternehmens

Zu diesem Thema (sehr frei übersetzt) schreibt Cairo Walker (Step Two Designs) im jüngsten CM Briefing „Gaining intranet stardom“.

Ihre 5 Punkte (wieder frei übersetzt):

  • Nimm Dir die Macht
  • Sei mutig
  • Finde Deinen eigenen Weg
  • Tu was und erzähle allen davon
  • Nein-Sagen ist der Schlüssel zum Erfolg

Das sieht auf den ersten Blick zwar nach Plattüden aus, spiegelt aber genau die weichen Faktoren wieder, die bei einem derart politischen Thema wie dem Intranet im Unternehmensalltag vielfach über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Somit beruht dieser kurze Artikel auf sehr ähnlichen Gedanken, aus denen auch mein Blog-Post „Das Geheimnis erfolgreicher Intranets“ hervorgegangen ist. Und man merkt sofort, dass Cairo weiss, wovon sie redet.

Hier gibt’s den ganzen Artikel: Gaining intranet stardom

Wikinomics im Intranet (1)

Endlich bin ich dazu gekommen das sehenswerte Video mit Don Tapscott über Wikinomics von der Web 2.0 expo in Berlin an zu schauen.

Wikinomics ist die Anwendung des Wiki-Prinzips auf die gesamte Wirtschaft, also v.a. Mass Collaboration und Peer Production in allen Lebensbereichen. Nicht fest definierte Organisationen wie Unternehmen, sondern eben die (beliebigen) Personen, die sich zur Lösung einer Aufgabe, Mitarbeit an einem Produkt etc. berufen fühlen, kommen zusammen und produzieren Dinge, Services, Inhalte usw.
(s.a. Wikinomics bei Wikipedia)

Wie kann dieses Prinzip, das von einigen Organisationen schon mit grossem Erfolg angewendet wird (s. Beispiele im Wikinomics Buch), auf’s Intranet übertragen werden?

Ein paar Gedanken dazu:

Creating Context (instead of Content)

Beispiel für die Anwendung des Wikinomics-Prinzip: nicht selber Video-Inhalte produzieren (wie z.B. ein Fernsehsender), sondern eine Plattform bereitstellen, auf der jeder seine Filme veröffentlichen kann (wie z.B. YouTube).

Dieses Prinzip findet in allen dezentral bewirtschafteten Intranets bereits grundsätzlich Anwendung, z.B.:

  • Es wird eine Plattform (z.B. ein CMS) bereitgestellt, auf der Autoren dann Inhalte einstellen können. Die Überlegenheit gegenüber dem früher häufig anzutreffenden Webmaster-Modell oder einer ausschliesslich zentralen Redaktion ist einleuchtend (obwohl letzteres bei sehr stark kommunikations-orientierten Intranets durchaus noch vorkommt).
  • Über eine gemeinsame Informationsarchitektur wird Kontext (und mit ihm Orientierung) geschaffen.
  • Eventuell vorhandene Möglichkeiten zum Tagging, Kommentieren, Rating etc. schaffen Kontext über den eigentlichen Content hinaus, in dem sie Zusammenhänge mit anderen Personen und deren Meinungen und Vorstellungen mit einbeziehen.

Es gibt also bereits Kontext, trotzdem ist gerade das Content Management ein Hauptproblem für viele Intranets: von zu wenig (oder den „falschen“) Autoren über veralteten und trivialen Content bis zur mangelnden Vertrauenswürdigkeit der Inhalte (z.B. aufgrund mehrerer Versionen der gleichen Information) reichen die Schwierigkeiten, die manchmal auch mit grossen Anstrengungen nur unbefriedigend gelöst werden können.

Neben kulturellen Faktoren, die häufig hinter diesen Problemen stehen, gibt es z.B. folgende Ursachen und Anknüpfungspunkte (aus Wikinomics-Perspektive):

  • Autoren: „Everyone is a Publisher“ – das habe ich als Intranet Manager im Jahr 2001 meinem damaligen Arbeitgeber vorgeschlagen um den Kreis der Autoren von ca. zwei Dutzend auf potentiell mehrere Tausend zu erweitern und so Content von jeder „Front“ des Unternehmens schnell, unaufwändig und ohne Umwege für das gesamte Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Denn das Problem mit den Intranet Autoren ist wohl das, dass es überhaupt Intranet Autoren gibt! (zentrale Intranet Redaktionen bspw. für die interne Kommunikation u.ä. ausgenommen). Nur wenn jeder direkt und ohne „Anfangsinvestition“ (z.B. Schulungsbesuch) Content bereitstellen kann, ist ein Abdecken aller relevanten Informationen, Tätigkeitsbereiche, Aktivitäten und aktuellen Geschehnissen in einer Organisation überhaupt möglich. Selbstverständlich muss das dann auch tatsächlich getan werden (Arbeitskultur) und Mechanismen zur sinnvollen Lenkung und Filterung dieser Informationen existieren.
    Dieser Vorgang ist für uns „Büromenschen“ seit der flächendeckenden Verbreitung von Email im Prinzip schon selbst verständlich. Allerdings unter dem entscheidenden Vorbehalt der adressierten und damit (scheinbar) kontrollierten Kommunikation. Zur für jeden sichtbaren Publikation von Informationen gibt es somit (vor allem mental) einen tiefen Graben.
    Blogs und Wikis, aber auch Tagging und jede andere Form des Einbezugs der Benutzer sind Schritte um diesen Graben langsam aber sicher zu zuschütten.
  • Content und Personen: Intranet-Inhalte haben heute meist einen geringen Bezug zu Personen. Auch wenn die Nennung und Verlinkung des Autors zu jedem Content in den meisten Intranets inzwischen Standard ist, stehen Dinge wie Themenbereiche, Produkte, Prozesse oder Abteilungen meist im Vordergrund. Auch die zum Autor abrufbaren Informationen beschränken sich meist (neben den Kontaktdaten) auf diese rein inhaltsbezogenen Aspekte. Wer der Autor ist, woran er gerade arbeitet, was seine (beruflichen) Interessen sind, bleibt meist im Dunkeln. Der Leser kann dadurch keine Beziehung zum Autor (dessen Gedankenwelt, Motivationen, etc.) aufbauen, entsprechend bleibt auch der Content “anonym”. Dieser Um- oder besser Missstand ist wohl ein Relikt aus der Printwelt (wo der Leser i.d.R. auch keine Beziehung zum Redakteur hat – Starjournalisten, Kolumnenschreiber etc. natürlich ausgenommen), steht aber im deutlichen Gegensatz zur sonstigen Erlebniswelt, in der Informationen viel stärker mit Personen verknüpft sind. Das “Wer?” ist nicht nur bei Reden von Politikern oder Hollywood-Stars in Filmen ein entscheidender Faktor, sondern sogar bei trivialen Dingen wie dem Absender einer Email. Die Person ist oft mindestens so wichtig, wie der Inhalt. Das wird bei Intranets noch häufig ausser Acht gelassen,
    Geeignetes Instrument um hier Abhilfe zu schaffen ist das „Telefonbuch“ (Employee Directory), das sinnvoll erweitert und ergänzt werden sollte, um den Mitarbeitern echten Kontext zu geben, der sich dann wiederum auf den Kontext des Contents vererben kann. Ein gutes Beispiel sind hier sicher die „Blue Pages“ von IBM (vgl. “mITeinander im Web 2.0“ von Peter Schütt (PDF, >1 MB, Folien 15 + 16) aber natürlich auch die öffentlichen “Pendants” wie Xing, Facebook und Konsorten.

Auch bspw. benutzergenerierte Tags als Ergänzung bestehender Metadaten und Informationsarchitekturen oder Mash-up Plattformen (auf denen sich die Mitarbeiter selber Anwendungen und Informations-Verknüpfungen erstellen können) sind weitere Möglichkeiten zur Schaffung von Kontext, die das eigenverantwortliche und selbstmotivierte Erzeugen und Bereitstellen von Content fördern und verbessern.

Im zweiten Teil möchte ich den Aspekt „Peering“ und Selbstorganisation unter die Lupe nehmen (oder doch lieber den Aspekt „act global“?).

p.s.: Der „Everyone is a Publisher“-Vorschlag ist damals nicht auf grosses Verständnis gestossen und die Probleme im Content Management blieben (trotz grosser Anstrenungen) bestehen … ;-) Heute wäre die Argumentation sicher (etwas) leichter.

Wie gut ist mein Intranet wirklich?

Diese Frage höre ich im Beratungsgeschäfts natürlich öfters. Eine Schulnotenskala ist als Antwort i.d.R. nicht ausreichend, weil die Individualität eines Intranets und dessen Sinn und Nutzen für das jeweilige Unternehmen sich zu stark unterscheiden (und eine solche Benotung somit nru den Vergleich mit einen theoretischen Idealzustand darstellen kann).

Trotzdem ist Vergleichen und Messen natürlich sinnvoll und nutzenstiftend, gerade weil vielen Intranet Managern der (breite) Vergleich mit anderen Intranets fehlt (dementsprechend ist “wie machen das denn die anderen Unternehmen?” auch eine oft gehörte Frage).

Benchmarking ist in diesem Fall das Zauberwort, weil dort eben dieser Vergleich mit (möglichst vielen) anderen Praxisfällen in einer strukturierten und umfassenden Form erfolgt. Intranet Benchmarking ist jedoch eher selten, so dass es sehr erfreulich ist, dass das Intranet Benchmarking Forum seine Aktivitäten zukünftig auch stärker auf Europa ausrichtet und somit auch Unternehmen bspw. im deutschsprachigen Raum besser von diesen Möglichkeiten profitieren können.

Links:
- IBF opens door to companies in Asia-Pacific and mainland Europe
- Infos zum IBF Europe

Mehr dazu später…

Das Geheimnis erfolgreicher Intranets

Ein Blick auf die 10 Best Intranets of 2008 zeigt – wieder einmal – wie vielfältig die Erfolgsfaktoren guter Intranets sein können (und für Freunde von Jahresanfangsvorhersagen, die auch den Sinn haben, sich erfolgreich an kommenden Trends auszurichten sei z.B. auf Enterprise intranet predictions for 2008 oder Attitudes & activities for intranet managers in 2008 verwiesen).

Was aber, wenn man alle diese Erfolgsfaktoren auf einen einzigen herunter brechen will? Was ist also das Erfolgsgeheimnis, das Wunder- und Allheilmittel, das zudem noch immer und überall funktionier?
(die Frage ist selbstverständlich mit einer gewissen Ironie gestellt, die Antwort aber durchaus ernst gemeint…)

Intranets sind Veränderungsinstrumente. Veränderungen erzeugen Widerstände. Der Umgang mit diesen Widerständen, der Umgang mit den sich daraus ergebenden Rückschlägen, auch der Umgang mit den aufgrund der oft nicht vorhersehbaren Entwicklungen resultierenden Misserfolgen und Fehlentscheidungen sind aus meiner Erfahrung heraus eben dieser “Wunderfaktor”.

So wie sich erfolgreiche Menschen nicht dadurch von weniger erfolgreichen Menschen unterscheiden, dass ihnen nie Fehler unterlaufen oder sie nie Rückschläge erleiden, sondern dadurch, dass sie sich davon nicht entmutigen und von ihren Zielen abbringen lassen, so verhält es sich auch hinsichtlich eines Intranets:

Beharrlichkeit, unbeirrbare (Selbst-) Motivation, missionarische Berufung und der Wille es immer wieder auf’s Neue (und auf neuen Wegen) zu versuchen, scheinen mir der Haupt-Erfolgsfaktor (auch) für Intranets zu sein.

In diesem Sinne: ein erfolgreiches Intranet-Jahr 2008!